TopthemaWirtschaft

Goldschatz auf Rekordniveau

Edelmetalle trotz Corona gefragt – auch bei Münzen Müller in Buxheim

Die Deutschen sind Goldfans: 12.451 Tonnen horten Bundesbank und Privathaushalte nach einer aktuellen Studie – ein Rekordniveau, das auch in Pandemiezeiten weiter wächst. Münzen, Barren und Schmuck aus dem glänzenden Metall sind hierzulande weiter gefragt, wie auch Hans-Bern- hard Müller bestätigt. Er ist mit seinem Geschäft Münzen Müller in Buxheim einer der wenigen spezialisierten reinen Münz- und Edelmetallhändler in der Region zwischen München, Nürnberg, Regensburg und Augsburg und hat schon viel erlebt, seit er vor fast 25 Jahren damit angefangen hat – aber selten einen solchen Boom wie zuletzt. Und wie steht es um den Bitcoin, der oft als neue, digitale Krisenwährung angepriesen wird? „Gerade, wenn es darauf ankommt, wollten die Leute etwas in der Hand haben.“

Es blinkt und glitzert auf dem rötlich samtweich bezogenen Präsentationstablett, auf dem Hans-Bernhard Müller einige exotische Exemplare, vor allem aber einige der bekanntesten Gold- und Silbermünzen der Welt ausbreitet. Den Krügerrand etwa, der im Licht der Deckenbeleuchtung in dem kleinen Verkaufsraum bei Münzen Müller in Buxheim nicht ganz so blinkend hellgelb-golden glänzt wie viele andere Exemplare, sondern eher matt und kupferfarben: die meistverkaufte Goldmünze der Welt, die auch in Deutschland sehr beliebt ist. So wie viele andere Münzen, Barren oder Gold- schmuck, die auch in Pandemiezeiten sehr gefragt waren.

Goldschatz auf Rekordniveau
Nicht nur den Krügerrand, sondern den gesamten Edelmetall- und Münzarkt im Blick hat Münzexperte Hans-Bernhard Müller.

Das spürt auch Hans-Bernhard Müller: Um etwa 30 Prozent sei die Nachfrage nach Gold- und Silber im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr gestiegen, freut sich der Fachhändler – und das trotz Pandemie und Gegenwind von verschiedenen Seiten wie dem Hype rund um den Bitcoin und andere Kryptowährungen. Dazu kommen der Börsenhype der letzten Monate oder Spekulationen über Zinserhöhungen, die für Gold, das ja bekanntlich keine Zinsen bringt, immer als problematisch gelten. Auf der anderen Seite sind da inzwischen Spekulationen um eine aufkommende Inflation, die auch Hans- Bernhard Müller für eine wichtigen Faktor für eine weiter hohe Goldnachfrage hält. „Kennen Sie eine Währung, die älter als 100 Jahre ist?“, fragt er rhetorisch. „Da wird ihnen kaum eine einfallen, denn da gibt es fast keine, die unverändert besteht. Gold aber ist schon seit 5000 Jahren immer wertvoll geblieben.“

In der Tat: Wenn etwas sprichwörtlich „Gold wert“ ist, dann gilt das seit jeher als Prädikat für etwas besonders Wichtiges und Wertvolles – auch wenn natürlich ebenso sprichwörtlich „nicht alles Gold ist, was glänzt“. Das schimmernde Edelmetall hat Menschen schon immer fasziniert und Begehrlichkeiten ge- weckt – wegen des nach ihm be- nannten golden-warmen Leuchtens, aber auch seiner Beständigkeit. Denn das seltene Metall, das nicht rostet, galt schon immer als edel und besonders wertvoll. Während so viele Reiche und Währungen längst untergegangen sind, hat das Gold seinen Wert behalten oder sogar gesteigert – und ist deshalb auch eine wichtige Säule im Vermögen gerade der Deutschen, die in Sa- chen Anlagen in der Vergangenheit eher risikoscheu waren – vielleicht auch aufgrund der Turboinflation beispielsweise der Reichsmark, die möglicherweise noch im kollektiven Gedächtnis nachhallt.

8,6 Meter großer Goldwürfel

12.451 Tonnen, so groß ist der deutsche Goldschatz nach einer aktuellen Studie des Steinbeis Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule Berlin – ein Rekordniveau, das auch international Seinesgleichen sucht: 6,2 Prozent der gesamten weltweiten Goldbestände befinden sich demnach in deutschen Händen. Wie schwer, wie wertvoll und wie selten das Metall trotz jahrzentelanger weltweiter Förderung inklusive dem ein oder anderen Goldrausch immer noch ist, zeigt eine andere Zahl: Würde man die 12.451 Tonnen Gold in deutscher Hand einschmelzen und daraus einen Würfel gießen, so hätte der eine Kantenlänge von gerade einmal 8,6 Metern – und wäre Anfang Februar dennoch rund 616 Milliarden Euro wert gewesen.

Kleine Fassade, großes Lager: Hans-Bernhard Müller von Münzen Müller in Buxheim.

 
3362 Tonnen Gold davon machen allein die Goldreserven der Bundesbank aus – die zweitgrößten der Welt nach denen der USA. Laut der Studie sind aber vor allem die deutschen Privatleute echte Goldfans: Nicht weniger als 9089 Tonnen des Edelmetalls besaßen sie demnach – und damit noch einmal 269 Ton- nen mehr als bei der letzten Erhebung im Jahr 2019. Mehr als die Hälfte davon, nämlich 5194 Tonnen, machen Goldmünzen und Barren aus, knapp 3900 Tonnen Goldschmuck. So jedenfalls hat es die repräsentative Befragung unter 2000 Erwachsenen in Deutschland im Auftrag der Reisebank ermittelt. Die Reisebank ist wie die meisten anderen Banken – oder auch viele Juweliere und Schmuckhändler – selbst in der Branche tätig. In der Breite aber ist Müller in der gesamten Region wohl einzigartig.

Denn bei ihm gibt es auch besondere und seltene Stücke, die nicht nur für ihren Materialwert, sondern auch für ihren Sammlerwert oder ihre Geschichte interessant sind. Hier liegt auch eines der großen Unterscheidungsmerkmale: Fachleute unterscheiden deshalb zwischen dem sogenannten Bullion-Markt und der Numismatik, also dem reinen Anlagegold, wo vieles standardisiert ist einerseits, und dem Münzsammlermarkt, wo es auch um ideelle Werte, um Seltenheit oder Besonderheiten geht. Müller fasziniert beides: Begonnen hat es mit den Münzen, die er schon als junger Mann gesammelt hat. So wie andere Menschen damals Briefmarken getauscht haben, hat er sich schon immer für die metallenen Zah- lungsmittel aus aller Herren Länder interessiert – natürlich besonders die seltenen und auch einzelne Stücke – und eben Goldmünzen. Mit 19 gründete er dann bereits seine eigene Firma, mit der er im kommenden Jahr bereits sein 25-jähriges Bestehen feiern kann.

„Damals“, erinnert er sich , „konnte man einen Krügerrand mit einer Unze noch für um die 300 Mark kaufen“. Heute kostet dieselbe, rotgolden schimmernde Münze mit einer Feinunze Goldgehalt – sie entspricht 31,1 Gramm –, die Müller gerade zwischen den Fingern hält, mehr als 1500 Euro – „seltene Jahrgänge wie etwa 2010 sogar deutlich mehr“, weiß der Numismatikexperte und grinst. Da habe er ein- mal große Bestände aufgekauft und sich damit eine besondere Stellung im Markt erarbeitet, sei mit den ganz großen Goldhändlern ins Geschäft gekommen, die dann bei ihm größere Bestände kaufen mussten.

Ein bisschen Schlitzohr muss man schon sein, um sich auf diesem von außen wenig transparenten, von innen aber vor allem durch wenige große Prägeanstalten als Lieferanten, aber auch einen sehr zersplitterten und heterogenen Markt an Händlern und Sammlern auf der ganzen Welt geprägt sei, zu behaupten – vor allem gegen die großen Händler, die teilweise nur durch die große Menge überhaupt ihre hohen Kosten decken könnten. So habe er schon öfter auf dem Markt Trends frühzeitig erkannt und rechtzeitig Bestände aufgebaut und später zu guten Marktpreisen verkauft.

Lieber bodenständig und bescheiden

Die Branche ist sehr heterogen und bunt. Da gebe es auch einige Blender, die zwar großspurig auf- träten, aber zum Beispiel selbst gar keine Ware auf Lager hätten, sondern nur im Auftrag von Banken ihre Münzen verkauften. Andere versuchen, durch Social- Media-Videos mit bisweilen äußerst zweifelhaftem Inhalt ihre Kundschaft anzulocken – in dem sie beispielsweise Angst vor einer Geldentwertung oder Enteignungen schüren und damit die Leute zum kaufen animieren wollen. Pompöses Auftreten, schicke Verkaufsräume und anderes mehr – das sei nicht so seine Welt, sagt Müller, der lieber im schlichten schwarzen T-Shirt in seinem Verkaufsraum sitzt. „Aber genau das schätzen auch viele Kunden“, erzählt er. „Dass wir einfach bescheiden und ehrlich zu ihnen sind und sie auch individuell gut beraten.“

Goldschatz auf Rekordniveau

Denn klar, auf der einen Seite sei ein Krügerrand eben ein Krügerrand und der Preis in Anlehnung an den Marktpreis nur minimal unterschiedlich. Aber es gebe eben doch auch viele Feinheiten und Unterschiede, wo man den Kunden wertvolle Tipps geben könne. Dazu gehört das Vertrauen der Kunden und Lieferanten, das er sich über viele Jahre erarbeitet hat. Denn es gebe natürlich schwarze Schafe auf den internationalen Märkten – ein echter Fachmann erkenne durch Testverfahren, aber auch durch sein geschultes Auge schnell die hochwertige und echte Ware. Müller selbst steht nicht nur mit seinem Familiennamen dafür, sondern ist auch entsprechend zertifiziert und mit seinem Geschäft Mitglied im Bundesverband des deutschen Münzfachhandels.

Münzen Müller sei in einem heterogenen Markt ein bodenständiges Familienunternehmen, das sich auch gegen große Anbieter wie den Degussa Goldhandel oder Pro Aurum behauptet, erklärt er stolz. Neben Hans- Bernhard Müller und seinem Bruder arbeiten drei weitere Familienmitglieder mit – vieles läuft nebenberuflich: seinen Job bei einem großen Automobilhersteller in der Region will er jedenfalls nicht aufgeben, auch wenn es selbst in Pandemiezeiten mit dem eigenen Unternehmen gut gelaufen sei.

Kleines Schaufenster, großer Tresor

95 Prozent verkaufe er heute ohnehin über das Internet, erzählt er. Statt Hochglanz-Symbolfotos findet der Kunde dort bei www.muenzenmueller.de selbst gemachte, echte Aufnahmen, „und zwar von genau dem Stück, das man dann auch bekommt“, verspricht er. Denn so klein und unscheinbar sein Schaufenster und sein Verkaufsraum mitten in Buxheim auch sind – er hat große Bestände in seinem Tresorraum liegen, wie er erklärt. Wo der sich befindet, will er aus Sicherheitsgründen natürlich nicht verraten. Im Angebot hat er neben den bekanntesten Goldmünzen wie dem Krügerrand, dem kanadi- schen Maple Leaf, dem Wiener Philharmoniker, dem chinesischen Panda, dem Schweizer Vreneli oder deutschen Münzen wie Goldmark oder Goldmünzen aus dem Kaiserreich immer wieder ausgefallene Stücke wie etwa einen S.B.S.-Essayeur-Fondeur-Barren, für den man rund 18.000 Euro auf den Tisch blättern muss. Aber auch Silber, Palladium und andere Edelmetalle, Diamanten und ab und an Schmuck. Auch seltene, historische Rothschild-Goldbarren für knapp 70.000 Euro und Raritäten wie einen 42-Kilo-Barren Silber hat er schon verkauft.

Und so hat Müller sich im Lauf der Jahre nicht nur ein großes Netz an Händlerkollegen, mit denen er zusammenarbeitet, sondern auch einen Stamm an vielen treuen Kunden erarbeitet, die zum Teil von weit her kommen und immer wieder bei ihm kaufen. „Mein wertvollster Besitz ist quasi mein Handy mit den Kontaktdaten“, sagt er lachend – und natürlich Fachkenntnis und der richtige Riecher, um Gelegenheiten zu erkennen und zu nutzen. Denn nur, wer den Markt genau kenne, könne Preisschwankungen ausgleichen und sich dauerhaft behaupten. Müller hat bereits seit 1994 Erfahrung auf dem Markt für numismatische Münzen, aber auch für Anlagemünzen und Edelmetalle, die heute sehr stark gefragt seien.

Bestellungen gebe es in ganz Deutschland, aber auch darüber hinaus. Auf der Internetseite geht es bei ihm nicht ganz so schick zu wie bei anderen Branchenvertretern, die da schon eher auf „dicke Hose“ machen, wie auch Müller weiß. Er kennt sie alle, habe schon oft erlebt, wie sie auf ihn zugekommen seien, mit dicken Uhren, teuren Autos und Häusern geprahlt hätten. Als sie ihn dann an seinem Messestand fragten, wem das ganze Gold gehöre, dass er da ausgestellt habe und Müller nur grinsend seinen Bruder gefragt habe, ob hier irgendjemand eine fremde Münze eingeschmuggelt habe, woraufhin der nur lachend den Kopf schüttelte, hätten viele große Augen bekommen. „Was, das gehört alles ihnen?“, hieß es dann. „Ja“, konnte Müller dann immer sagen.

Keine Angst vor Bitcoin & Co

Und dabei soll es auch bleiben, wenn es nach ihm geht. Denn auch er habe schon das Angebot bekommen, nur noch als Fassade für andere zu verkaufen – Franchising in Sachen Gold quasi. Da gebe es auch ein, zwei vermeintlich große Händler, die eigentlich nur als eine Art Schaufenster funktionierten und für andere, größere Anbieter oder zum Beispiel für Banken den Goldvertrieb übernähmen, verrät Müller. Aber da wollen er, sein Bruder und ihr Team nicht mitmachen. Sie haben sich im Lauf der Jahre einen großen Bestand erarbeitet, was nur durch umsichtiges Handeln möglich sei, erklärt Hans-Bernhard Müller.

Auch wenn der Goldpreis in den letzten Monaten eine Korrektur erlebt habe und zwischenzeitlich durch den Hype um die Kryptowährungen auch immer wieder unter anderem der Bitcoin als eine Art „neues Gold“ bezeichnet worden war: als eine Art digitale Krisenwährung. Müller glaubt ganz fest an das Edelmetall und seine Beständigkeit. „Da hat man etwas in der Hand“, sagt er – und zwar ein besonders glänzenden Edelmetall, das schon sei Jahrtausenden Menschen fasziniert und in seinen Bann gezogen hat.

Lesen Sie auch:
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"