EventKultur

Rotlicht, Zuversicht, Zukunftssorgen

„Night of Light“ lockt nach Regenschauer nicht ganz so viele Besucher

Rot-romantische Stimmung bei der „Night of Light“ gestern Abend, aber wohl auch aufgrund des Regenschauers kurz nach Beginn etwas weniger Besucher als im vergangenen Jahr. Vielleicht ist es auch ein wenig der Wunsch, endlich mit Corona ein wenig abzuschließen, der sich dabei auswirkt – auch wenn viele, wie die Veranstalter gestern, noch voll drinstecken. Wir haben mit ihnen gesprochen und drei ganz unterschiedliche Erfahrungen gehört.

Er ist das Positivbeispiel: „Wir sind ganz zufrieden mit dem Abend“, sagt Manuel Frey kurz vor 23 Uhr am immer noch rötlich-hell erleuchteten Eichstätter Residenzplatz – auch wenn etwas weniger Besucher gekommen seien als letztes Jahr. Ihn selbst und seine Firma Sound-Concept aus Pollenfeld habe die Coronakrise Gott sei Dank nicht so stark getroffen wie andere Kollegen aus der Kunst, Kultur – oder wie bei ihm: der Veranstaltungsbranche. „Auch wir haben natürlich gemerkt, dass plötzlich viele Aufträge weggebrochen sind. Anfangs sei es sogar ganz schön gewesen, einmal durchatmen zu können, sagt einer aus seinem Team von bis zu einem Dutzend Familienmitgliedern und Mitarbeitern.

Lichtidylle am Eichstätter Residenzplatz bei der bundesweiten „Night of Light“ für die Kunst. Fotos: Traub
„Kultur ist lebensrelevant“ – so die projizierte Botschaft auf dem Rathaus. Foto: Zengerle

Aber erstens müssten die nicht alleine davon leben, sondern seien überwiegend nebenberuflich tätig. Und zweitens habe er eher auch Kunden aus der Wirtschaft wie Airbus in Manching oder aus dem institutionellen Bereich, erzählt Frey. Auch das Theater Ingolstadt brauche für seine Kulturbühnen inzwischen wieder entsprechende Technik, die er zur Verfügung stellt. Aber er sei eben auch aus Solidarität dabei, sagt er – und meint damit auch seinen Kollegen Stefan Kirschner.

Er ist das Negativbeispiel: Denn bei dem sieht die Welt ganz anders aus: Vor der Krise hat er für seine Firma Diesel Ton+Lichttechnik noch in einen neuen LkW investiert, für den er jetzt immer noch die Raten zahlt – ohne die entsprechenden Einnahmen und als jemand, der nicht nur selbst davon leben muss, sondern auch Angestellte hat. „Da macht man sich schon große Sorgen“, gibt er zu. Denn er hat vor allem viel Veranstaltungstechnik für Konzerte, DJ-Partys und Kulturveranstaltungen gestellt – die auch in diesem Sommer wieder nur sporadisch stattfinden. Auch er habe natürlich gleich reagiert und die Kosten heruntergefahren. Doch ganz geht das eben nicht. Und so habe er schon an die Reserven und letztlich auch an die Altersvorsorge heran gemusst, sagt Kirschner ganz offen – und mit Sorgenfalten an der Stirn. Er will nicht viel jammern, aber man merkt ihm an, dass selbst ein hartgesottener Veranstaltungstechniker hier sentimental wird.

Auch deshalb beteiligt er sich an der bundesweiten „Night of Light“, die ja genau auf solche Sorgen und finanzielle Probleme der Veranstaltungsbranche hinweisen soll. Es ist vor allem die Unsicherheit, wie es weitergeht, die dabei das größte Problem ist. Wie lange muss ich noch überstehen? Wann geht es wieder weiter? Und wie wird die Veranstaltungsbranche danach aussehen? Diese Fragen stellen sich viele kreativ Tätige – wie auch Cendra Polsner.

Sie ist die Flexible: Eine Freundin von ihr sei Modeschöpferin und habe mehrere eigene Geschäfte, erzählt die Eichstätter Lichtkünstlerin, die gestern ebenfalls beteiligt war. Die habe sie in der Coronazeit immer wieder angerufen und am Telefon einfach zum Weinen angefangen, als sie über ihre Sorgen berichtete: Die finanziellen Rücklagen schwanden immer mehr, die fehlende Perspektive sorgte für Ängste, alles zu verlieren – auch die Rücklagen für die Altersvorsorge. Cendra Polsner hat ihr zugehört. Auch das hilft schon. Auch sie selbst stand letztes Jahr plötzlich da und wusste schnell, dass es mit dem Sommer nichts werden würde.

Dunkle Wolken über der Kulturbranche: So könnte man die Stimmung gestern zu Beginn der Night of Light interpretieren. Doch später hellte sich der Himmel auch wieder auf – ein gutes Zeichen?

Sie macht oft große, kreative Lichtinstallationen, die damals wie so vieles reihenweise abgesagt werden musste. Doch als jemand, der vielseitig aufgestellt ist, meldete sie sich bei ihren Kunden, für die sie sonst oft im Winterhalbjahr tätig ist und fand dort immer mehr Arbeit: zum Beispiel in der Computergrafik: Unter anderem für die Tagesschau habe sie jede Menge zum Teil animierte Infografiken erstellt und kleine Applikationen geschrieben, mit denen zum Beispiel jeden Tag die Entwicklung der Coronazahlen halbautomatisiert dargestellt werden konnte. So ist sie von der Verliererin auch ein Stück weit zur Gewinnerin geworden.

Aber so soll und darf man ohnehin nicht rechnen. Polsner will daher auch solidarisch sein zu den vielen, vielen Kreativen, denen es eben nicht so gut geht – und hat das drückt sie auch in ihrem animierten Schriftzug aus, der über Stefan Kirschners Hochleistungsbeamer gestern auf das Eichstätter Rathaus projiziert wurde: „Kultur ist lebensrelevant“. Noch während wir sprechen, machen Polsner und Kirschner schon Pläne für die nächste Lichtinstallation – eine größere, kreativere Installation mit mehreren Beamern. Kreative sind manchmal nicht nur Lebens-, sondern auch Überlebenskünstler. Und dazu gehört immer auch Hoffnung.

„Night of Light“ in Eichstätt: Am Marktplatz, am Residenzplatz und auf der Dasdabaustelle (Foto mit Bagger). Fotos: Traub/Zengerle
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