KulturPanorama

Gabrieli und der „Gabrielor“

„Graphic Novel“ zum Jubiläumsjahr des Barockarchitekten erschienen

Es ist bunt, humorvoll und hat als barockes Universalwerkzeug auch einen herausnehmbaren „Gabrielior“ aus Karton mit dabei: „Gabriel de Gabrieli und der Gabrielor“ ist eine ganze besondere Biographie des Barockarchitekten aus Roveredo, der in diesem Jahr 350 Jahre alt geworden wäre. Was ein Gabrielor ist? Die kreative, barock-schnörkelige Schablone, die sich Autor Gianni Bertossa als besonderen grafischen roten Faden für seine Graphic Novel über Gabriel de Gabrieli ausgedacht hat. Das bunte Buch ist eine ganz besondere Annäherung und Hommage an einen, der Eichstätt fast so sehr geprägt hat, als hätte er es mit dem „Gabrielor“ entworfen.

Gabrieli und der „Gabrielor“
Mit dem Gabrielor entworfen? Lars Bender und Claudia Grund präsentieren Gabrielis Allzweckwaffe” und  die neue „Graphic Novel“, die sich seinem Leben und barocken Spuren unter anderem in Eichstätt widmet. Fotos: Zengerle

Wenn man ein Buch über einen Barockarchitekten schreibt, könnte man ein opulentes Werk mit viel klassischen, bedeutungsschwangeren Analysen oder barock-bunten Bildern mit typisch-üppiger Pracht und vielen heiteren Schnörkeln daraus machen. Oder mit viel Fantasie auch eine „Graphic Novel“ mit comicartigen Bildern, einem schönen Schuss Witz und Ironie, reduziertem, aber pointiertem Wissen aus der Biographie des Maestro – und ein paar kreativ erfundenen Episoden und Elementen – so, wie es Gianni Bertossa getan hat. Sein buntes und mit viel Liebe zum Detail geschriebenes und gezeichnetes Buch bietet für Jung und Alt einen ganz neuen Zugang zum berühmten Barockarchitekten, dessen Handschrift die Stadt Eichstätt auch heute – 350 Jahre nach seinem Geburtstag, der auch in Eichstätt in diesem Jahr gefeiert wird – noch prägt.

Anfrage aus Graubünden

Die erste Anfrage aus Roveredo kam im September 2020. Da war der Eichstätter Kunsthistorikerin Claudia Grund, die im örtlichen Diözesanmuseum tätig ist, natürlich sofort klar, dass es um das Jubiläum zum 350. Geburtstag des hier wie dort berühmten Barockarchitekten gehen musste. Schließlich ist der kleine Ort im schweizerischen Kanton Graubünden Gabrielis Geburtsort. Nicht viel anders war das bei Lars Bender, dem Leiter der Eichstätter Tourist Information, an den Grund Gianni Bertossa aus Roveredo schließlich weitervermittelt hatte.

Gabrieli und der „Gabrielor“Es ging um ein besonderes Buch über Gabrieli, das er geschrieben und vor allem gezeichnet hatte und das nun neben der italienischen auch in deutscher Sprache erscheinen sollte – und zwar in der Stadt, in der Gabrieli sich besonders stark verewigt hat: Eichstätt. Bender sagte schließlich zu, das Projekt durch eine Mindestabnahme an Büchern zu unterstützen. Und so gibt es die ganz besondere Biographie über Gabrieli, die am 4. September in Eichstätt offiziell vorgestellt wird, aber gerade bereits druckfrisch in Eichstätt eingetroffen ist, nun auch auf Deutsch und für 29 Euro in der Eichstätter Tourist Information und im Buchhandel zu kaufen.

Es ist ein barocktypisch buntes, vor allem aber humorvoll-leichtes Werk in gedeckten Farben und mit viel Liebe zum Detail geworden, „aber auch eine gut recherchierte Biographie Gabrielis“, lobt Claudia Grund, die das Buch auch lektoriert und die historischen Fakten vor der Veröffentlichung geprüft hatte. Beim Durchblättern muss sie aber auch immer wieder lachen – vor allem, wenn sie wieder einen der „Gabrielors“ entdeckt, die Bertossa auf den vielen bunten Seiten versteckt hat. Diese von ihm erfundene Schablone für barocke Architektur, mit der Gabrieli laut Autor seine Entwürfe gezeichnet habe, habe natürlich keinen historischen Hintergrund, erklärt sie.

Flunkereien eines Clowns

Es ist eine der kleinen Flunkereien, mit denen er sein Buch humorvoll angereichert hat. Die jungen und alten Leser können gemeinsam solche absichtlich erfundenen Elemente suchen. „Wetten, du findest Sie alle?“, heißt es zu Beginn des Buches. Die Idee finden Grund und Bender großartig. Tatsächlich erinnere der fantasievoll erfundene „Gabrielor“, den man im Buch auch als herausnehmbare Schablone aus Karton findet, an viele Gestaltungselemente des Barock, wie man sie auch in Eichstätt entdecken könne. Gabrielis „Allzweckwaffe“ also, mit der Kinder selbst ihre eigenen barocken Designs zeichnen können: „Entwirf auch du Städte, Paläste und barockes Geschirr mit deinem persönlichen Gabrielor!“ – so die Anweisung dazu. Hier spürt man auch, dass Gianni Bertossa neben Grafiker und Illustrator auch Clown ist: Viel Humor und allerhand Charme steckt in den Illustrationen, aber auch zwischen den Textzeilen.

Gabrieli überall: Nicht nur im Gabrielijahr kann man auch 350 Jahre nach seiner Geburt noch überall die Spuren des Barockarchitekten entdecken.

„Ein sehr schön gemachtes, humorvolles Buch für die ganze Familie, in dem man viel über Gabrieli lernen, sich aber auch amüsieren kann“, fasst Bender zusammen. Er wünscht sich gerade im Gabrielijahr 2021, dass es auch in den Eichstätter Schulen zum Einsatz komme. Stoff für Unterricht in verschiedenen Altersklassen biete Gabrieli allemal. Kinder können in den Zeichnungen vieles Entdecken, Jugendliche und Erwachsene erfahren allerhand über das Leben des Architekten und die Spuren, die er unter anderem in Eichstätt hinterlassen hat. Die sind auch in den bunten Zeichnungen im Buch verewigt: Notre Dame und der Hofgartenpavillon etwa oder die fürstbischöfliche Residenz inklusive Fürstbischof.

Man erfährt vieles über den Maurerlehrling Gabrieli, der seinem Onkel Enrico nach Wien folgte, beim großen Architekten Martinelli lernte, sich auf Studienreise durch Europa begab und sich schließlich selbst in jenen Gebäuden verewigte. Und über Gabrielis Traum: Das kleine Dorf Roveredo sollte zur Utopie einer barocken Stadt für Menschen aller Kulturen werden – und ein wenig wie Eichstätt aussehen.

Die Story
350 Jahre nach seiner Geburt zeichnet dieses Bilderbuch die Abenteuer des Barockarchitekten Gabriel de Gabrieli nach, der sich vom kleinen Dorf Roveredo nach Europa aufmachte. Eine vom Grafiker, Illustrator und Clown Gianni Bertossa mit Schalk und schlichten Illustrationen erzählte Geschichte, für Kinder, Architekten und Architektinnen – aber nicht nur.

Das Buch
Im Jahr 1671 wird Gabriel de Gabrieli in Roveredo, im Kanton Graubünden, geboren. Nach einer Maurerlehre verlässt er sein Dorf und macht sich auf nach Europa, wo er ein grosser Architekt wird und den Auftrag bekommt, die Planung des ganzen Städtchens Eichstätt in Bayern zu übernehmen. Auf seinem Weg ist ihm der „Gabrielor“ behilflich, ein von ihm erfundenes, wundersames Instrument, mit dem er Paläste, Ställe und Keramik entwirft. Um 350 nach seiner Geburt an Gabriel de Gabrieli zu erinnern, widmet Gianni Bertossa ihm dieses leichtfüßige Porträt in Form eines Bilderbuchs und nimmt seine Leserinnen und Leser auf eine Reise quer durch das Europa von vor dreihundert Jahren mit, wobei er sich hie und da ein paar Abweichungen von den historischen Tatsachen erlaubt, mit humorvollen Bildern, die zum Entdecken einladen. Jedes Buch enthält einen „Gabrielor“ zum Beschriften.

Der Autor
Gianni Bertossa (*1959), aufgewachsen in Roveredo, ist Grafiker, Artdirector, Illustrator und Clown. Er hat von Botanik- bis hin zu Kochbüchern vieles veröffentlicht, wie zum Beispiel Plants from the markets of Thailand (Duang Kamol, 1990) und eine Rezeptsammlung aus Italienischbünden I mazzafam (AT Verlag, 2009).

Die Daten
Gianni Bertossa
Gabriel de Gabrieli und der Gabrielor
Die wahre (ein wenig erfundene) Geschichte eines grossen Barockarchitekten
Bilderbuch
17,5 x 21,5 cm
64 Seiten (davon 4 aufklappbar)
CHF 32.00, € 29.00
ISBN 978-88-7713-925-2

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