EventKulturLeben

Auftakt mit „Ode an Wellheim“

Jubiläumsfeierlichkeiten zu 900 Jahre Wellheim haben begonnen

Die großen Feierlichkeiten konnten es im Jubiläumsjahr 2021 wegen der Coronamaßnahmen nicht werden, so viel war schon lange klar. Aber 900 Jahre ist schließlich ein stolzes Alter. Und so holen die Wellheimer ihre Jubiläumsfeierlichkeiten im Rahmen der Möglichkeiten in den nächsten Monaten nach. Mit einer feierlichen Auftaktveranstaltung wurde am 3. Oktober von Bürgermeister Robert Husterer der Startschuss für die 900-Jahr-Feier gegeben, die sich nun eben in das nächste Jahr hineinziehen werden – und für die es nun inspiriert von der ereignisreichen Geschichte Wellheims nun auch eine von Gerhard Reissig komponierte musikalisch-historische Suite gibt, die vom Kirchenchor und einer Bläsergruppe vorgetragen wird.

Geburtstagsständchen zum Auftakt: Gerhard Reissig, die Bläsergruppe und die Singgemeinschaft-Kirchenchor Konstein-Wellheim präsentierten zur Eröffnung der 900-Jahr-Feierlichkeiten eine Suite und die „Ode an Wellheim“. Fotos: oh

Wie archäologische Funde nahelegen, liegen die Ursprünge der Siedlung wohl noch ein gutes Stück weit vor der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes 1121 im Namen des Edlen Friedrich von Wellenheim – so gesehen muss man es mit der Jahreszahl auch nicht nicht ganz so genau nehmen. Seit der ersten Erwähnung jedenfalls folgten neun Jahrhunderte, in denen vieles passiert und viel Wasser die Schutter hinabgeflossen ist. Mehr darüber kann man in den nächsten Monaten in zahlreichen Veranstaltungen wie heimatkundlichen Wanderungen zur Geschichte, mit einer Rangerin oder zu den Hügelgräbern im Urdonautal erfahren kann – oder in Form eines Mittelalterburgers genießen kann, den es zum Beispiel als kulinarische Jubiläumsüberraschung geben soll.

Wellheim vor rund 100 Jahren zeigt dieses Bild aus der umfangreichen Sammlung von Dietmar Schröter.

Das Programm stellte die 3. Bürgermeisterin Melanie Pruis-Obel im Rahmen der Auftaktveranstaltung vor, das offen sei für weitere Ideen und Anregungen. Nach Grußworten von Landrat Alexander Anetsberger und Kreisheimatpfleger Karl-Heinz Rieder richtete Historiker Edmund Hausfelder den Blick in die Geschichte des Ortes, ehe ein erster kreativer Höhepunkt des Jubiläums folgte. Bläsergruppe und Kirchenchor intonierten erstmals die eigens zum Jubiläum komponierte Suite zu Episoden aus der Ortsgeschichte und Reissigs ganz persönliche „Ode an Wellheim.“

Bei einer „Rallye in und um Wellheim“ können Kinder ab sofort und noch bis März 2022 den Ort und seine Geschichte erkunden (Teilnahmezettel mit den Fragen gibt es bei der entsprechenden Veranstaltung unter www.wellheim.de), und die Schützengesellschaft Edelweiß richtet am 28. Mai nächsten Jahres ein großes Preisschießen aus.

„Schau-Fenster.Tour“ und Vortrag zur Ortschronik

Details zur Geschichte des Ortes im Urdonautal kann man ab sofort auch bei der künstlerisch gestalteten „Schau.Fenster.Tour“ im Orstkern oder in der neuen Ortschronik von Edmund Hausfelder erfahren, die ebenfalls vorgestellt wurde und zu der der Autor am Sonntag, 10. Oktober, (Beginn: 15 Uhr im Pfarrheim) einen Vortrag halten wird. Von „A“ wie den Anfängen bis „Z“ wie Zacharias Krell wird man dabei mitgenommen auf einen Streifzug durch 900 Jahre ereignisreiche Geschichte des Ortes und seiner Herren – von den Grafen von Hirschberg, Oettingen und Heideck bis hin zum Grafenehepaar Konrad und Ursula von Helfenstein, deren Grabplatte heute noch in der Pfarrkirche St. Andreas zu sehen ist.

Die „Schau.Fenster.Tour“ lädt ab sofort und noch bis 6. Januar zu einem Streifzug durch Episoden aus neun Jahrhunderten Ortsgeschichte (Siehe Bildergalerie unten). Künstler Stefan Weyergraf-Streit (von links) sowie die VHS-Vorsitzenden Christine Wisgott und Theresia Asbach-Beringer haben die Tour entworfen und gemeinsam mit den Vereinen umgesetzt.

Aber auch der „Rebell“ Zacharias Krell und seine Rolle beim Bauernaufstand 1525, Kriminal- und Unglücksfälle oder die Bedeutung der Eisenbahn in der jüngeren Vergangenheit dürfen weder im Buch noch bei der ebenfalls am 3. Oktober eröffneten „Schau.Fenster.Tour“ nicht fehlen. In verschiedenen Schaufenstern und historischen Schlaglichtern kann man dabei vieles über den Markt und seine lange Geschichte erfahren: etwa, dass um 1700 in der felsigen Gegend um Wellheim fahrende Spielleute kampierten, weswegen dort eine von Höhlen durchsetzte Felsformation bis heute „Zigeunerloch“ heißt.

In den 1920er-Jahren erfuhr der Kreideabbau am Ort einen Aufschwung. Bis nach Amerika soll später das „Wellheimer Weiß“ exportiert worden sein. Auch der Flucht und den Nachkriegsjahren ist ein Schaufenster gewidmet. Bis heute erinnern die Straßennamen „Penziger Straße“, „Karlsbader Straße“ und „Sudetenstraße“ an diese Zeit.

„Schaufenster-Kunstgeschichte“ von VHS und Stefan Weyergraf-Streit

Mit Liebe zum Detail hat der Künstler Stefan Weyergraf-Streit die Schaufenster gestaltet und historische Schlaglichter in Szene gesetzt. Zudem präsentieren sich verschiedene Gruppierungen und Vereine, wie die Kirche oder der Imkerverein, im Rahmen der „Ausstellung im Freien“. Die Freiwillige Feuerwehr Wellheim zeigt ebenfalls sehr anschaulich ihre Geschichte anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens. Und so kann man sich ab sofort zu Fuß und absolut coronakonform auf die Zeitreise begeben. Die einzelnen Szenen sind am Marktplatz sowie im Fenster der Konsteiner Straße 18a zu sehen.

Felsenfest steht die Burg Wellheim selbst in dieser Lithographie über dem Ort und ist Zeugnis der langen Historie.

Das Konzept sowie die Texte haben Christine Wisgott und Theresia Asbach-Beringer, die beiden Vorsitzenden der VHS Wellheim, in Absprache mit Weyergraf-Streit entwickelt. „Wie facettenreich die Wellheimer Geschichte und unsere Landschaft ist, so bunt ist auch die Ausstellung“, versprechen Wisgott und Asbach-Beringer, die sich freuen, dass das Projekt gemeinschaftlich mit den örtlichen Vereinen gestemmt worden sei. Noch bis 6. Januar kann man sich über Episoden der Wellheimer Geschichte informieren – auch über die Sage jener Frau, die alle 100 Jahre in der Wellheimer Burg heulen soll und von einem Teufelshund bewacht wird. Nur wer sich hinaufwagt und den Hund besiegt, kann die Frau erlösen. el

 

Mehr Informationen zum Jubiläum 900 Jahre Wellheim gibt es im Internet unter www.wellheim.de/900-jahre-wellheim/ – oder EINFACH HIER KLICKEN!

 

Lesen Sie auch:
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"