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Dinosaurier in der Altmühlaue

Reges Interesse am Infostand zur Bürgerbeteiligung

Eichstätt. – Da rührt sich was am Eichstätter Altmühlufer an diesem sonnigen Samstagmorgen. Kein Wunder – nach dem so wolkengrauen Jahresanfang nutzen das viele Menschen für einen Spaziergang an der Altmühl – und besuchen dabei den Infostand am Herzogsteg. Dort herrscht reger Gesprächsbedarf an den extra aufgestellten Bistrotischen und Plakatwänden, auf denen zu sehen ist, wie es hier einmal aussehen könnte. Genau darüber wird weiter diskutiert an diesem Samstagmorgen – dem zweiten Schritt der Bürgerbeteiligung zur Gestaltung der Eichstätter Almühlaue.

Reges Interesse gab es auch bei der zweiten Bürgerbeteiligung zur Altmühlaue. Bei schönem Sommerwetter kamen rund 200 Menschen, um sich zu informieren und ihre Ideen einzubringen. Fotos: Zengerle

„Es ist gut, dass hier wieder Leben reinkommt“, sagt Ingo Schön, der ehemalige Geschäftsführer des Alten Stadttheaters, der nebenan in der Spitalstadt wohnt. Natürlich wünscht er sich, dass es in den nächtlichen Stunden nicht zu wild zugehe, aber auch er möchte eine lebendige Stadt an dieser zentralen Stelle. An den Bistrotischen sind auch mehrere Stadträte vertreten. Es wird gelacht, gescherzt und diskutiert, während Oberbürgermeister Josef Grienberger nebenan an der Plakatwand mit einer Besucherin über ihre Ideen spricht. Stadtrat und Ex-Bürgermeister Gerhard Nieberle ist gerade gekommen. Er wünscht sich auch ein offenes Areal, vor allem viel Grün und Bänke und Bäume. Das sollte machbar sein.

Eine Seniorin wirft nebenan ihren Vorschlag in den dafür vorgesehenen Briefkasten – mit einer wohl ganz neuen Idee: Sie wünsche sich „einen schönen großen Dinosaurier“, verrät Gertraud Mayrhofer – so einen, wie das mehrere Meter hohe Exemplar am Besuchersteinbruch auf dem Blumenberg. Sie habe sich sogar schon nach den Kosten erkundigt. Das Urzeittier passe einfach gut hier ins Altmühltal und sei eine besondere Attraktion nicht nur für Kinder, findet sie. Das Ganze könne man vielleicht auch durch Spenden finanzieren. Das Areal zwischen Bahnhof und Herzogsteg sei schön geworden, lobt sie. Es fehlten aber noch solche Attraktionen. Und so würde sie auch begrüßen, wenn die historische Lokomotive aus der beengten Ecke an der B13 auf den Bahnhofsvorplatz gebracht und dort installiert würde.

Kreativer Vorschlag: Gertraud Mayrhofger wünscht sich einen echten Hingucker an die Altmühlaue: einen großen Dinosaurier.

Während es bei diesen und anderen kreativ-ausgefallenen Vorschlag sicher auch unterschiedliche Meinungen geben könnte, seien sich bisher offenbar so gut wie alle Besucher einig, dass der Rad- und Fußweg wie in der Vorplanung aus dem Stadtbauamt vorgesehen getrennt werden solle, berichtet Pressesprecherin Sophie Schmidt, die die Bürgerbeteiligung für die Stadt koordiniert. Auch der Wasserspielplatz sei sehr häufig genannt worden. Heute kommt wieder eine solche Idee dazu: Barbara Beck wirft gerade ihren Vorschlag ein und wünscht sich einen echten Zugang zum Wasser, wo Kinder, aber auch Ältere vielleicht in einer Art kleinen Bucht zum Wasser hin könnten.

Rund 200 Leute seien seit 8 Uhr bereits gekommen, erzählt Schmidt, während sich so langsam die Mittagszeit nähert. Die Resonanz sei sehr positiv. Rund 150 bis 200 Vorschläge seien inzwischen insgesamt im Rathaus eingegangen – darunter auch schon einige Kinderzeichnungen. Zahlreiche weitere seien von den Schulen in der Stadt angekündigt.

Die Bürgerbeteiligung stößt also auf reges Interesse. „So etwas hat es in dieser Form in Eichstätt noch nie gegeben“, lobt Schön, während nebenan der OB in Gesprächen über den richtigen Untergrund für die Spielflächen ist. Möglichst natürlich soll alles sein, aber auch barrierefrei und integrativ, was gerade bei natürlich Belägen oft schwierig sei. Erst am Mittwoch hatte man sich im Stadtrat bei einem Expertengespräch auch darüber informiert. Ein dezentraler Spielplatz mit kleineren Geräten an mehreren Stellen sei gut, findet SPD-Stadtrat Fred Pfaller. Und Schön möchte, dass die Touristenbusse am Busbahnhof ankommen und woanders parken sollen, was wiederum zusätzlichen Platz schaffen würde – auch hier auf dem derzeit brachliegenden Areal.

Einen Wasserspielplatz und eine kleine Altmühlbucht mit echtem Zugang zum Fluss für Jung und Alt wünscht sich auch Barbara Beck.

Es gibt viel zu besprechen und unterschiedliche Vorstellungen – auch zur Gastronomie. Schön wünscht sich offene Gastronomie vielleicht vom IBB-Hotel, Pfaller möchte sich als ehemaliger Pächter der Haifischbar mit einem Kollegen wieder mit einem neuen Konzept bewerben. Für ihn sei aber das Wichtigste, dass die Jahrzehnte alte Tradition des Bootsverleihs erhalten bleibe – ein Alleinstellungsmerkmal: der einzige Bootsverleih an einem Fluss in ganz Bayern. Ein Vorschlag sieht eine Art Kulturfläche in Ammonitenform vor. Alle Ideen werden nicht realisierbar sein, das wird auch heute klar.

Seine Wünsche werde nicht jeder zu 100 Prozent umgesetzt bekommen. Wichtig sei, dass man dann nicht beleidigt sei und sich auch einmal „mit 80 Prozent“ zufrieden gebe, resümiert Pfaller. Das wünscht sich auch der OB. Es sei auf jeden Fall auch schön, dass sich hier auch viele Menschen Gedanken darüber machten, was sie sich eigentlich für ihre Stadt wünschten, und dass darüber dann auch öffentlich diskutiert werde – ein angenehmer und demokratisch sinnvoller Nebeneffekt quasi. Allem und jedem könne man nicht voll gerecht werden. Und so müsse man vielleicht hier auch zulassen, dass nicht alles perfekt und ordentlich sei, sondern auch einmal leger, lebendig und mit lockerem Charme. In der Sonne an diesem Samstagvormittag kann man sich vieles davon schon ein wenig vorstellen. sze

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