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Mit Elektropower: Historischer Sieg von Audi bei der Rallye Dakar

Carlos Sainz und Lucas Cruz gewinnen im Audi RS Q e-tron berühmteste Rallye der Welt

Neuburg a. D./Dakar. – Audi schreibt Geschichte: Zum ersten Mal gewinnt mit dem Audi RS Q e-tron ein emissionsarmer Prototyp mit elektrischem Antrieb, Hochvoltbatterie und Energiewandler die härteste Wüstenrallye der Welt. Die Spanier Carlos Sainz/Lucas Cruz sicherten Audi nach rund 7.900 Kilometern mit 1.20 Stunden Vorsprung den ersten Sieg bei der Rallye Dakar. Auch Mattias Ekström/Emil Bergkvist kamen ins Ziel.

Jubel im Ziel: Die Dakar-Sieger Carlos Sainz (Mitte rechts) und Lucas Cruz auf ihrem siegreichen Audi RS Q e-tron jubeln mit dem Team von Audi Sport. Foto: Audi Communications Motorsport/Marcin Kin, DPPI

„Herzlichen Glückwunsch an das Team Audi Sport zum Sieg bei der Rallye Dakar“, sagt Audi-Vorstandsvorsitzender Gernot Döllner. „Audi hat damit einmal mehr einen Meilenstein im Motorsport gesetzt. Mit einem elektrifizierten Antrieb die härteste Wüstenrallye der Welt zu gewinnen, ist sichtbarer Vorsprung durch Technik und weist den Weg in unsere elektrische Zukunft.“ Der Audi RS Q e-tron verfügt über einen elektrischen Allradantrieb. Die Energieversorgung stellen eine Hochvoltbatterie und ein Energiewandler sicher, der mit reststoffbasiertem reFuel betrieben wird und so 60 Prozent CO2-Emissionen gegenüber konventionellen Kraftstoffen einspart.

In drei Jahren von null auf Sieg

„Wir haben mit unserem revolutionären elektrifizierten Antrieb nach nur drei Jahren eine der größten Herausforderungen im Motorsport bewältigt. Damit setzen wir eine lange Serie von Pionierleistungen fort, die Audi in vier Jahrzehnten Motorsport immer ausgezeichnet hat. Ich danke dem gesamten Team für diese herausragende Leistung in einer besonders harten Ausgabe der Rallye Dakar“, sagt Oliver Hoffmann, Audi-Vorstand für technische Entwicklung. Audi traf bei der Rallye Dakar im Spitzenfeld auf die beiden Marken Toyota und Ford sowie die erfahrenen Gegner von Prodrive, die sich als harte Herausforderer erweisen sollten.

Am besten durch Sand und Geröll kamen Carlos Sainz/Lucas Cruz. Es ist bereits der vierte Dakar-Sieg für den erfahrenen Rallye-Piloten Sainz. Foto: Audi Communications Motorsport / Antonin Vincent, DPPI

Das Duo Carlos Sainz/Lucas Cruz sicherten sich ihren großen Vorsprung, nachdem sie seit der sechsten Etappe ununterbrochen in Führung gelegen hatten. Für die beiden erfahrenen Spanier, die bereits 2010, 2018 und 2020 als Erste ins Ziel kamen, ist es ihr Erfolg mit der vierten Marke, darunter der zweiten aus dem Volkswagen-Konzern. Bis kurz vor Schluss aber konnten sich der zweimalige Rallye-Weltmeister Sainz und sein versierter Beifahrer nicht sicher sein. Mit Sébastien Loeb/Fabian Lurquin aus dem Team BRX gab es starke Verfolger, die ihren Rückstand immer weiter verringerten, bis ihr Auto am vorletzten Tag einen Schaden hatte. „Das war eine überwältigende Teamleistung“, sagt Audi-Motorsportchef Rolf Michl. „Alle haben an einem Strang gezogen, um Audi dieses historische Ergebnis zu ermöglichen. Ein großes Dankeschön an dieses wunderbare Team. Heute haben wir für Audi, aber auch in der Geschichte der Rallye Dakar ein neues Kapitel geschrieben.“

7.883 Kilometer, zwölf Etappen, acht Tage in Führung

Tagesetappen von häufig mehr als 400 Kilometern, zwei Marathon-Etappen mit eingeschränktem oder sogar ganz ohne Service sowie 4.600 Kilometer auf Zeit und 7.883 Kilometer insgesamt prägten die Rallye Dakar 2024. Spitzes Geröll und Schotterpisten, aber auch turmhohe Dünenketten im „Empty Quarter“, dem „leeren Viertel“, der arabischen Halbinsel sowie eine oftmals schwierige Navigation verlangten den Teams alles ab. Carlos Sainz, der mit 61 Jahren auf eine rund vier Jahrzehnte währende Rallye-Karriere blickt, verbuchte mit Lucas Cruz insgesamt acht Führungstage auf den zwölf Etappen.

Bereits früh hatten sich auch die beiden anderen Crews von Audi stark in Szene gesetzt. Die Schweden Mattias Ekström/Emil Bergkvist gewannen zu Beginn den Prolog und verbesserten sich hinter Sainz/Cruz bis zum Ruhetag nach sechs Etappen auf den zweiten Platz. Ein Defekt an der Hinterachse brachte sie auf der siebten Prüfung jedoch um alle Chancen. Stéphane Peterhansel, mit 14 Dakar-Siegen Rekordhalter, lag nach seinem 50. Etappensieg im Auto und seinem 83. insgesamt kurz vor der Halbzeit an sechster Stelle. Ein Defekt am Hydrauliksystem warf ihn und seinen französischen Landsmann Edouard Boulanger auf der sechsten Etappe auf Platz 22 zurück.

Auch über die turmhohen Dünenketten im „Empty Quarter“, dem „leeren Viertel“ der arabischen Halbinsel kamen die Sieger bestens. Foto: Audi Communications Motorsport / Frédéric Le Floc’h, DPPI

Beide Mannschaften stellten sich anschließend in den Dienst des Teams Audi Sport. Audi-Motorsportchef Rolf Michl und Sven Quandt, Teamchef des Einsatzpartners Q Motorsport, verwirklichten bei einer anspruchsvollen 46. Ausgabe der Rallye eine perfekte Strategie. Ob es darum ging, sich vor der zweiten Marathon-Etappe taktisch zurückfallen zu lassen, um die Strecke nicht eröffnen zu müssen, oder um die Unterstützung der Führenden Carlos Sainz/Lucas Cruz: Das Management konnte sich jederzeit auf seine starken Fahrermannschaften verlassen. Ebenso leistete das Teampersonal bei der physisch fordernden, langen und harten Rallye unermüdliche und zuverlässige Arbeit. Ekström/Bergkvist beendeten die Veranstaltung unter den ersten 50.

Audi Sport hat den hocheffizienten Audi RS Q e-tron innerhalb von nur drei Jahren zur Siegreife entwickelt. Unter der technischen Leitung von Leonardo Pascali setzte Audi Sport mit dem innovativen Antrieb den nächsten historischen Meilenstein: Nachdem der Allradantrieb quattro den Rallyesport in den Achtzigerjahren für immer verändert und anschließend auf der Rundstrecke Siege und Titel in Serie eingefahren hat, bewies Audi in Le Mans große Innovationskraft. Der effiziente TFSI-Antrieb, der elektrifizierte Allradantrieb e-tron quattro oder Einzeltechnologien wie das LED-Matrixlicht und das Audi Laserlicht stehen für hohe Innovationskraft und Vorsprung durch Technik. In der Formel E debütierte anschließend der erste vollelektrische Rennwagen von Audi, bevor sich die Marke den extremen Anforderungen der Rallye Dakar stellte und sie als erster Hersteller mit elektrischem Antrieb erfolgreich bewältigte – so die positive Bilanz bei Audi. Ob und wie die teuren Formel-1-Einstiegspläne unter der neuen Führung von Audi weitergehen, wird ebenfalls spannend zu sehen sein.

Stimmen zum Sieg

Audi hat bei der Rallye Dakar 2024 mit dem ersten Sieg eines elektrischen Antriebs mit Hochvoltbatterie und Energiewandler Geschichte geschrieben. Neben Carlos Sainz/Lucas Cruz, die die Rallye acht Etappen lang angeführt haben, verbuchten auch die beiden anderen Fahrermannschaften Einzelerfolge. Stéphane Peterhansel/Edouard Boulanger gelang ein Etappensieg, Mattias Ekström/Emil Bergkvist gewannen zwei Tageswertungen inklusive des Prologs. Die Verantwortlichen, die Fahrer und die Beifahrer gaben im Ziel ihre rückblickenden Einschätzungen.

Rolf Michl, Audi-Motorsportchef:

„Es ist schwer, diesen Sieg in Worte zu fassen. Wir haben ein Stück Motorsport-Geschichte geschrieben. Es wird noch ein paar Tage dauern, bis das wirklich in mein Bewusstsein eingesunken ist. In diesem Sport geht es auch um Glück. Das hat uns im vergangenen Jahr gefehlt. Wir hatten ein erstaunliches Team, das nie aufgegeben hat, auch nicht bei Rückschlägen. Wenn man seinem Team vertraut, kann es sogar das scheinbar Unmögliche erreichen. Diese Herausforderung haben wir mit langer und harter Arbeit bewältigt. Unsere Sieger Carlos und Lucas sind beide außergewöhnlich. Carlos ist nicht nur ein Spitzenfahrer, sondern eine Legende mit einem großen Herzen, der sich um die Menschen kümmert, in jedes Detail eintaucht und nie mit sich selbst zufrieden ist. Es ist eine Ehre und ein Verdienst, dass er für unser Team angetreten ist. Ebenso wäre dieser Erfolg ohne die gewissenhafte Arbeit und das Können von Lucas nicht möglich gewesen. Ein riesiges Dankeschön an das gesamte Team.“

Sven Quandt, Teamchef Q Motorsport:

„Das war ein sportlicher Wettkampf, der drei Jahre gedauert hat. Heute haben wir mit diesem Konzept Geschichte geschrieben und uns gegen die bisherigen Antriebe durchgesetzt. Es zeigt, dass Audi der Konkurrenz voraus ist. Dieses elektrische Antriebskonzept, das wir drei Jahre lang verbessert haben, war genau richtig. Und der Wettbewerb war extrem spannend. Insbesondere die letzten Tage der Rallye waren hart. Wir sind nach dem Sieg von Carlos und Lucas sehr erleichtert. Als Sébastien Loeb in den vergangenen Tagen immer näher kam, war ich schon nervös. Erst als sich das Blatt am vorletzten Tag wendete, war ich etwas entspannter. Das Teamwork hat bei uns perfekt funktioniert. Der Spirit war einfach gut. Mit solchen Menschen kann man gewinnen.“

Carlos Sainz (#204), Platz 1:

„Ich bin sehr glücklich für Audi, die vielen Fans der Marke und meine Landsleute. Dieser Sieg bedeutet mir viel. Es ist mein vierter Sieg mit der vierten unterschiedlichen Marke. Das Team hat ein ganz besonderes Konzept entwickelt, mit dem wir die Ersten bei der Rallye Dakar sind. Nur Audi war mutig genug, dieses Wagnis einzugehen. Ich bin glücklich, dass wir damit Geschichte geschrieben haben. Und das bei einer der härtesten Ausgaben dieser Rallye, die ich erlebt habe. Meine Familie ist hier, ebenso die ganze Audi-Familie. Danke an die Marke, an Rolf Michl und Sven Quandt, die an uns geglaubt und uns dies ermöglicht haben. Und danke an Mattias, Emil, Stéphane und Edouard, die uns so wertvoll geholfen haben. Das ist ein großartiger Sieg.“

Lucas Cruz (#204), Platz 1:

„Das ist ein gutes Gefühl. Ich bin sehr glücklich für das Team. Diese begeisterte Mannschaft hat ein sehr komplexes Auto für uns aufgebaut. Und mit diesem Konzept haben wir jetzt die Dakar gewonnen. Ich bin allen sehr dankbar. Der Stress und die Anspannung waren bei dieser Rallye besonders hoch. Tag für Tag haben wir äußerst harte Prüfungen bewältigt und unser Auto lief tadellos.“

Mattias Ekström (#207), Platz 48:

„Ich bin zufrieden damit, wie ich gefahren bin. Auch mein Beifahrer Emil hat gut gearbeitet. Wir hatten uns eine Strategie zurechtgelegt, der wir auch gefolgt sind. Nach einem guten Prolog verlief die erste Woche sehr zufriedenstellend. Wir waren Zweite hinter Carlos Sainz. Unser Problem mit der Hinterachse hat uns dann um alle Chancen gebracht. Also haben wir anschließend Carlos unterstützt, um dem Team so gut wie möglich zu helfen. Wir haben bei dieser Ausgabe der Rallye wieder einiges gelernt. Und ich freue mich natürlich für Audi, für Carlos und für Lucas nach diesem schönen Sieg, auch wenn sich unser eigenes Ziel leider nicht erfüllt hat.“

Emil Bergkvist (#207), Platz 48:

„Ich bin sehr glücklich für Audi Sport. Carlos und Lucas haben diesen Erfolg verdient. Für uns hat die Rallye den Beigeschmack, dass wir durch ein Problem viel Zeit und damit alle Chancen verloren haben. Anschließend haben wir unseren Teamkollegen auf den Prüfungen aushelfen können, etwa mit Reifen.“

Stéphane Peterhansel (#202), Platz 54:

„Für das Team ist das Gesamtergebnis eine große Genugtuung. Ich freue mich für Carlos und Lucas und die gesamte Mannschaft von Rolf Michl und Sven Quandt. Das Projekt war aufgrund der Technik äußerst anspruchsvoll. Nach drei Jahren war Audi siegfähig und feiert den ersten Erfolg eines elektrischen Antriebs. Darauf dürfen wir alle stolz sein, auch wenn wir ein bisschen enttäuscht sind, dass es für unser Auto nicht besser lief. Das war nicht unsere Dakar. Wir hatten in der ersten Woche und auch ganz zum Schluss noch einmal ein technisches Problem, weshalb wir die letzte Prüfung abbrechen mussten. Aber alle drei Fahrerteams haben seit Jahren für diesen Erfolg sehr gut zusammengearbeitet. Das schöne Ergebnis von Carlos und Lucas wird allen in Erinnerung bleiben.“

Edouard Boulanger (#202), Platz 54:

„Heute haben wir alle als Team gewonnen. Das ist das Gefühl, mit dem wir von dieser Rallye heimkehren. Jeder hat seinen Beitrag zu diesem schönen Ergebnis geleistet. Leider lief es für das Auto von Stéphane und mir nicht so gut und wir hatten zum Schluss einen Schaden. Das Hauptziel aber hat das Team mit Carlos und Lucas erreicht und damit gezeigt, dass der RS Q e- tron ein Sieger ist. Mein Glückwunsch an Carlos und Lucas, denen ein fehlerfreies Rennen gelungen ist. Carlos ist bereits 61 Jahre alt. Er hat dem Druck von Sébastien Loeb immer standgehalten. Natürlich haben Mattias, Emil und wir Carlos in verschiedenen Situationen geholfen. Danke an die gesamte Mannschaft. Erst vor acht, neun Monaten kamen verschiedene Kräfte neu ins Team, die sich sehr gründlich eingearbeitet haben, um alles zu verstehen und uns dieses Ergebnis mit ihrer Arbeit zu ermöglichen.“

Quelle
Audi Sport
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