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Mit Swing und Schwung: Neujahrskonzert des Polizeiorchesters Bayern

Benefizkonzert unter dem Motto „Mit Schwung und Leidenschaft ins neue Jahr“

Eichstätt. – „Mit Schwung und Leidenschaft ins neue Jahr“ – nicht nur das Neujahrskonzert des Polizeiorchesters Bayern in Eichstätt ist inzwischen Tradition – auch das durchaus optimistisch-beschwingte Motto des Konzerts ist zu einer festen Einrichtung geworden. Und tatsächlich: Spätestens als das gesamte Publikum am Ende wie beim Wiener Hofball zum Radetzky-Marsch mitklatschte, waren Schwung und Zuversicht spür- und hörbar. So gesehen war das Neujahrskonzert auch in diesem Jahr nicht nur ein musikalischer Genuss, sondern auch ein willkommener Stimmungsaufheller in gefühlten Krisenzeiten.

Schgwung in Uniform und in der „Eichstätter Event-Location“: Das Polizeiorchester Bayern beim Neujahrskonzert. Fotods: Zengerle/Anspann/II. BPA

Nicht nur Wien hat sein traditionelles Neujahrskonzert, sondern auch Eichstätt. Der Vergleich hinkt zwar an einigen Stellen, aber es gibt auch die eine oder andere Parallele: Kein Wunder – schließlich hat das Polizeiorchester Bayern mit Johann Mösenbichler auch einen österreichischen Maestro als Dirigenten – der vom bayerischen Innenminister Joachim Hermann 2018 auch den Titel „Generalmusikdirektor der Bayerischen Polizei“ verliehen bekommen hat. Und der weiß natürlich, was sich zu einem Neujahrskonzert gehört.

„Willkommen in der Eichstätter Event-Location“

Ein wenig Oper und Operette, gefühlvolle Filmmusik und spätestens beim Radetzky-Marsch auch ein Hauch von Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker – das Neujahrskonzert des „Polizei Orchesters Bayern“ im Sportzentrum der II. Bereitschaftspolizeiabteilung (Bepo) in Eichstätt ist für viele Eichstätter Musikliebhaber in den letzten Jahren schon eine beliebte Tradition geworden. Die Bepo-Sporthalle hat zwar keinen Stuck und kein Golddekor wie der große Prunksaal im Wiener Musik­vereins­gebäude, sondern ist eher nüchtern und funktional – aber das funktioniert mit entsprechender Beleuchtung und Bühne inzwischen seit Jahren erstaunlich gut. „Willkommen in der Eichstätter Event-Location“, scherzte daher auch Bepo-Chef Manfred Gigl zu Beginn gut gelaunt in seiner Begrüßung.

Mit dem musikalischen Aperitif „Symphonic Dimensions“ des österreichischen Komponisten Otto M. Schwarz ging es gleich mit schwungvollen Klangwelten hinein in den verspäteten Neujahrsgruß. Gute Laune und positiver Schwung für das neue Jahr – das sei auch das Motto des Abends, sagte auch Musiker Peter Seufert, der den Abend wieder einmal gekonnt und charmant moderierte. Zur Zeit zwischen den Jahren, in denen die meisten Neujahrsvorsätze meist schnell wieder erledigt seien und man sich frage, was das frisch angebrochene Jahr so bringe, passe auch das nächste Stück: In der Ouvertüre zu „Pique Dame“ von Franz von Suppè geht es schließlich um eine Kartenlegerin, die mit den Karten einem Liebenden die Zukunft voraussagt – mit der frischen Leichtigkeit einer Operette.

Zwei Protagonisten: Sopranistin Caroline Adler und Dirigent Johann Mösenbichler.

Leidenschaftlich-frivol ging es mit der Arie „Habanera“ aus der Oper „Carmen“ weiter. „L’amour est un oiseau rebelle“ – „die Liebe ist ein wilder oder widerspenstiger Vogel“, so der vollständige Titel des Stückes, bei dem Sopranistin Caroline Adler zeigen könnte, welch kraftvolle Stimme in einer so zierlichen Frau stecken kann – die in der Arie als Carmen dem Brigadier Don José den Kopf verdreht. Mit der „Gipsy-Leidenschaft“ ging es dann auch im Zigeunerlied aus „Carmen“ weiter, ehe es mit dem Kaiser-Walzer von Johann Strauss majestätisch wurde. Um die Liebe ging es italienisch-leicht auch in „Non Ti Scordar Di Me“ oder „Vergiss mich nicht!“, mit dem es an einem unvergesslichen Abend in die Pause ging.

„Skandal um Rosi“ bei der Polizei

Nach dem eher klassischen ersten Teil kamen im zweiten Teil auch diejenigen voll auf die Kosten, die es moderner und frecher wollen. Nach dem opulenten „Festivo“ von Edward Gregson ging es mit „(Somewhere) Over the Rainbow“ aus dem Musicalfilm „Der Zauberer von Oz“auch um die Hoffnung und die Sehnsucht nach einem unbeschwerten Leben „über den Wolken“. Dass es sich bei dem Ensemble aus 45 Profimusikern aus siebzehn Nationen um eine besonders musikalische Einheit der Polizei handelt, zeigten nicht nur die Uniformen der Musiker, sondern auch der „Jubiläumsragtime 110“ – selbst komponiert anlässlich des 110-jährigen Jubiläums des Polizeipräsidiums München sowie des 50-jährigen Bestehens der bundesweiten Notrufnummer 110. Arrangiert hat es Manfred Hechenblaickner aus den Reihen des Polizeiorchesters Bayern – und hat dabei auch Münchner Elemente nicht vergessen: Zwischendurch wird da schon einmal „Skandal um Rosi“ skandiert.

Durch Dean Martin wurde „Sway“ bekannt, der eigentlich auf dem mexikanischen Lied „Quién Será?“ basiert. Neben vielen Interpretationen von Michael Bublé oder Jennifer Lopez kennt man nicht nur in Eichstätt nun auch die ebenfalls cool-beschwingte Version von Caroline Adler. Mit einem Medley aus „Der König der Löwen“ wurde es am Ende noch einmal episch-emotional, wenn es um den Kreislauf und das Wunder des Lebens und das Publikum in der voll besetzten Weite der Bepohalle vor dem inneren Auge in die Weiten der Steppe entführt wurde. Spätestens dann war auch der Eisregen und die Kälte der letzten Tage vergessen und dem Publikum wurde warm ums Herz.

Als Maestro Mösenbichler dann auch noch die anwesenden Polizisten im Publikum für einen Extraapplaus („Im tagtäglichen Dienst bekommt ihr leider nicht immer die Wertschätzung, die ihr verdient“) aufstanden, wurde auch klar, dass man sich tatsächlich am wahrscheinlich „sichersten Ort Bayerns“ befand, so Mösenbichler, der sich zum Schluss am Mikrophon noch einmal bestens gelaunt zeigte. Und so gab es gleich mehrere Zugaben: Die Eigenkomposition „Für Theresa“ etwa von Tubist Herbert Hornig aus den Reihen des Polizeiorchesters – eine „Hommage an ein unterschätztes Instrument“: die Tuba. Und dann war da natürlich noch der Radetzky-Marsch, bei dem kräftig mitgeklatscht wurde – und der direkt in einen großen Schlussapplaus mündete.

Und so ging es am Ende nicht nur mit Swing, Schwung und positiver Stimmung in das weitere Jahr, sondern auch mit einem guten Gefühl. Denn der Erlös geht an zwei kulturelle und soziale Projekte in Eichstätt: das Musikfestival Alte Musik sowie das Caritas-Kinderdorf Marienstein – ein besonders positiver Nebeneffekt eines gelungenen Abends, der inzwischen auch zu einem frühen und schwungvollen Höhepunkt des kulturellen Jahres in Eichstätt geworden ist.

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