KulturWissen

Uralte sakrale Kunst lebt weiter

Kunst-Studierende der KU erlernen Ikonenmalerei – nun unter neuer Leitung

Dass jemand eine „Ikone“ seiner Zunft sei, sagt man, wenn er einzigartig und ganz besonders ist. In der Tat gelten Ikonen als ganz besonders kunstvoll gearbeitete, sakrale Malereien – die seit mehr als zwei Jahrzehnten auch in Eichstätt Thema sind und auch hergestellt werden.

Uralte sakrale Kunst lebt weiter
Kursleiter Klaus Fellmeth (links) und seine Nachfolgerin Dr. Rossella Malagó bei der Ikonenweihe durch Pater Hubert (OPass) in der Eichstätter Heilig Kreuz-Kirche. Fotos: upd

Seit mehr als zwanzig Jahren bietet die Professur für Kunstpädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) ihren Studierenden die Möglichkeit, die Technik der Ikonenmalerei nach der russischen und byzantinischen Tradition zu erlernen. Von Beginn an hat Klaus Fellmeth als Lehrbeauftragter diesen Kurs über das „fromme Handwerk“, wie er sagt, geleitet. Nun übergibt der 86-Jährige die Leitung mit Rossella Malagó an eine ehemalige Seminarteilnehmerin. Im Lauf der Jahre besuchten mehrere hundert Studierende Fellmeths Kurse. Als Inhaber der Professur dankte Rainer Wenrich für das große Engagement von Klaus Fellmeth über mehrere Jahrzehnte.

Fellmeths Nachfolgerin betont, dass die Ikone die Aufgabe hat, einen Blick in die sakrale Welt zu ermöglichen, das Unsichtbare sichtbar zu machen und dadurch ihre spezifischen Züge erhält. Anders als die naturalistischen Bilder der westlichen religiösen Kunst, ist die Ikonenmalerei von einer starken Stilisierung, der inversen Perspektive und zahlreichen symbolischen Elementen charakterisiert. „Der Ikonenmaler bewegt sich in einem definierten Regelsystem, in dem alles eine Bedeutung hat, denn in der Ikonenmalerei geht es nicht um die Individualität des Künstlers, sondern um die Vergegenwärtigung des Glaubens.

Uralte sakrale Kunst lebt weiter
Eine Ikone im Entstehen: Die Teilnehmenden des Kurses erhalten schnell ein Gespür für die Komplexität von Ikonen und die notwendige Geduld, die für die Erstellung nötig ist.

Der größte Teil der Ikonen wurde und wird immer noch von alten Vorlagen abgemalt. Dennoch wird jede Ikone anders, da jeder Künstler das Bild anders empfindet und interpretiert“, so Rossella Malagó. Die Wurzeln der Ikonenmalerei liegen in den ägyptischen Mumienportraits und den frühen byzantinischen Darstellungen Christi, Maria und der Heiligen. Diese Form der sakralen Kunst entwickelte sich schon vom 9. bis zum 15. Jahrhundert im byzantinischen Reich und hatte seit Ende des 14. Jahrhunderts in Russland ihre Blütezeit.

Das Seminar besteht aus theoretischen Anteilen zu Geschichte und Theologie sowie der Praxis der Ikonenmalerei. Bei der ersten Begegnung wird den Teilnehmenden schnell klar, dass Ikonen zu malen, alles andere als einfach ist: Es erfordert Konzentration, Präzision und viel Geduld. Am Ende des Semesters entstehen wunderbare Ikonen der Gottesmutter mit Kind, die zum Schluss in Anwesenheit der Studierenden geweiht werden.

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