GesundheitPolitik

Gespräche mit Holetschek: Freie Wähler wollen kleine Kliniken in Region 10 retten

Freie Wähler in Region 10 suchen Gespräch mit Gesundheitsminister

„Was vor Jahren als Kooperation zu den jeweiligen Wahlen ins Leben gerufen wurde, bewährt sich heute bei ernsthaften Themen“, so formulieren es die Freien Wähler (FW) zu einem Thema, das man nicht nur als „ernsthaft“, sondern mindestens als schwierig bezeichnen kann, und das seit Monaten die Gemüter nicht nur der Bürger, sondern auch der politischen Entscheidungsträger erregt: die Standortfrage der Krankenhäuser in der Region. Sei es zur Kommunalwahl 2020 noch das Thema fahrradfreundlichste Region gewesen, so sei es jetzt „eine Allianz zur Gesundheitsversorgung in der Region 10“, die die FW in der Region zusammenführe. „Vorrangiges Ziel ist der Erhalt der kleinen Kliniken in den Landkreisen“, heißt es von Seiten der FW in der Region 10.

FW-Quartett möchte sich als „Allianz“ für den Erhalt der kleineren Klinikstandorte in der Region 10 einsetzen: die Kreisvorsitzdenden Sebastian Schrott, Staatssekretär Roland Weigert, Petra Flauger und Anton Haunsberger. Foto: oh

Die treibenden Kräfte hinter dieser regionalen Zusammenarbeit sind seit jeher die Kreisvorsitzenden der drei Landkreise sowie der Stadt Ingolstadt – auch die Freien Wähler in Ingolstadt sind organisatorisch Kreisvereinigung der Freien Wähler. Am längsten mit dabei sind der Kipfenberger Anton Haunsberger, der seit 15 Jahren den Kreisverband Eichstätt führt, und die Ingolstädterin Petra Flauger als Vorsitzende der dortigen Kreisvereinigung. Hinzu kommen Sebastian Schrott aus Baar-Ebenhausen (Kreisvereinigung Pfaffenhofen) oder Staatssekretär Roland Weigert, der seit Kurzem den Kreisverband und die Kreisvereinigung Neuburg-Schrobenhausen führt, als „politisches Aushängeschild“, wie Haunsberger sagt.

Die Erfolge der regionale Zusammenarbeit hätten sich in neuen Radwegen gezeigt, den Radweg-Blüten in der Region rund um Ingolstadt und etlichen anderen lokalen Initiativen. Mit den beiden Landräten Peter von der Grün in Neuburg-Schrobenhausen und Albert Gürtner in Pfaffenhofen verspricht man sich noch mehr Chancen auf die Umsetzung regionaler Initiativen.

Auf Bitten von Anton Haunsberger, dem naturgemäß der Erhalt der beiden Kreiskliniken in Eichstätt und Kösching am Herzen liegt, bemühen sich Staatssekretär Weigert und die Ehrenamtsbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Landtagsmitglied Eva Gottstein, nun um einen gemeinsamen Termin der Landräte und Abgeordneten aus der Region bei Gesundheitsmimister Klaus Holetschek, der nach dem Bekunden von Eva Gottstein ein Unterstützer von regionalen Lösungen sei.

Haunsberger hat am vergangenen Sonntag, anlässlich der Onlinekonferenz des Parteivorsitzenden Hubert Aiwanger mit den Kreisvorsitzenden, die Nöte der kleinen Kliniken vorgetragen. Daraus entstand der Kontakt zu Susann Enders, der FW-Generalsekretärin, die als examinierte Krankenschwester selbst bestens mit der Thematik vertraut ist. Über sie soll der Weg in die Landes- und Bundespolitik mit dem Anliegen der Unterstützung der kleinen Krankenhäuser in der Fläche gesucht werden.

Nur noch eine Klinik mit akutstationärer Versorgung soll es in Zukunft im Landkreis geben – das beschloss der Eichstätter Kreistag nach eingehender Beratung mit Martin Pesch (2. v. li.), Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin an den beiden Kliniken, und Stefan Kalliga (4. v. li.), dem Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis, als Vertretern aus der Praxis, Ende November. Fotos: Zengerle

Mit einer solch größeren Perspektive im Blick auf eine Gesundheitsregion 10 sind die FW natürlich nicht alleine – im Gegenteil. Im Rahmen der letzten Kreistagssitzung hatten sich alle Parteien positiv zu einer eingehenderen Zusammenarbeit in der Gesundheitsversorgung in der weiteren Region geäußert. So lange, bis ein solches Konzept für die gesamte Region ausgearbeitet sei, wolle und könne man aber nicht warten, hatte Landrat Alexander Anetsberger (CSU) immer wieder betont. Denn das könne sich der Kreis einfach weder finanziell noch im Hinblick auf die Zukunft der Kliniken leisten. Bis man auf Ebene der Region 10 zu einer gemeinsamen Lösung käme, dürfte allerdings wohl in der Tat noch einmal sehr viel Wasser die Donau, die Altmühl, die Ilm und alle anderen Flüsse in der Region hinablaufen.

Was aus der neuen FW-Initiative erwachsen kann, bleibt also abzuwarten – schließlich sind die Nöte der kleineren Krankenhäuser längst kein Problem, das auf die Region 10 beschränkt ist – und der Fachkräftemangel, der die kleineren Häuser ganz besonders trifft, auch kein Problem, das schnell und politisch lösbar wäre.

Offen bleibt in der FW-Initiative auch, was die Allianz konkret für die weiteren Beschlüsse vor Ort bedeuten soll. Der Kreistag im Landkreis Eichstätt etwa hatte sich ja bei seiner jüngsten Sitzung Ende November auch mit den Stimmen der FW um Anton Haunsberger zwar für den Erhalt beider Standorte der Kliniken im Naturpark Altmühltal in Eichstätt und Kösching entschieden – allerdings eben auch ganz klar für die Schließung eines der beiden Standorte der Kliniken im Naturpark als Akutkrankenhaus, also eine massive Umstrukturierung eines der beiden Standorte hin zu einem Gesundheitszentrum oder einer anderen neuen Form. Man darf gespannt sein, ob die FW dieses Paket nun wieder ein Stück weit in Frage stellen wollen. Am Freitag findet dazu bereits die inoffizielle, am kommenden Montag (24.01.) dann die offizielle Kreistagssitzung statt. Bei beiden dürfte die Krankenhausfrage erneut im Mittelpunkt stehen.

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