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Seltene Handschrift: Bamberger Psalter jetzt in Eichstätt

Faksimile des Bamberger Psalter für Unibibliothek und Ausstellung „Pracht & Andacht. Psalterien des Mittelalters“ in Hofgartenbibliothek

Eichstätt. – Die Universitätsbibliothek in Eichstätt ist neuerdings im Besitz eines Faksimiles des so genannten Bamberger Psalters, der zu den bedeutendsten Werken der süddeutschen Buchkunst des ausgehenden Hochmittelalters zählt. Das Original wird in der Staatsbibliothek Bamberg aufbewahrt – eine besonders kostbare Replik wird derzeit als Leihgabe in der Hofgartenbibliothek in Eichstätt im Rahmen der Ausstellung „Pracht & Andacht. Psalterien des Mittelalters“ gezeigt. Bei der Eröffnung der Ausstellung hatte die Direktorin der Staatsbibliothek Bamberg, Bettina Wagner, ein besonderes Geschenk dabei: Sie überreichte eine weitere Replik des Bamberger Psalter als Geschenk für die Universitätsbibliothek Eichstätt an deren Leiterin Maria Löffler sowie die Leiterin der Abteilung Historische Bestände, Heike Riedel.

15 prachtvolle, ganzseitige Miniaturen, mit denen der Bamberger Psalter ausgestaltet ist, und vieles mehr zeigt die Ausstellung „Pracht & Andacht. Psalterien des Mittelalters“. Fotos: Klenk/upd

1230 entstandene Handschrift mit prächtigen Miniaturen

Die um das Jahr 1230 entstandene Handschrift ist mit prächtig gestalteten Miniaturen mit Szenen zum Neuen Testament sowie Goldrankeninitialen ausgestaltet und mit einem einzigartigen Einband aus Hornplatten versehen. In einem Vortrag erläuterte Wagner die Entstehungsgeschichte des Bamberger Psalters, die Besonderheiten in der Ausgestaltung – und den Bezug des kostbaren Buches zu Eichstätt. Aufgrund einer handschriftlichen Eintragung wurde rekonstruiert, dass die prunkvolle Handschrift in Regensburg für eine adlige Dame aus der Familie der Grafen von Hirschberg geschaffen wurde, die im Raum Eichstätt ansässig waren. Der Codex war für die private Andacht bestimmt.

Passendes Geschenk: Die Direktorin der Staatsbibliothek Bamberg, Bettina Wagner (Mitte) überreicht eine Replik des Bamberger Psalter an die Leiterin der Universitätsbibliothek Eichstätt, Maria Löffler (links) sowie die Leiterin der Abteilung Historische Bestände, Heike Riedel. Fotos: Klenk/upd

Nach dreijähriger Vorbereitung erschien 2019 im Quaternio-Verlag Luzern eine Faksimile-Ausgabe des Bamberger Psalters. Die Edition gibt alle 210 Blatt originalgetreu wieder. Ein solches Exemplar gehört nun zum Bestand der Universitätsbibliothek Eichstätt. Diese zeigt seit dieser Woche in der Hofgartenbibliothek neben dem Faksimile des Bamberger Psalters weitere Handschriften und Drucke, in denen sich die vielfältigen Funktionen, die der Psalter im Mittelalter für Kleriker und Laien erfüllte, widerspiegeln.

Das Psalterium glossatum, eine Handschrift von 1418, die sich im Besitz der Universitätsbibliothek Eichstätt befindet. Die gezeichnete Abbildung zeigt König David auf dem Thron sitzend, der die Passion Christi prophezeit. Rechts davon Christus mit der Dornenkrone, umgeben von Priestern.

Sammlung der religiösen Gesänge Israels

Ursprünglich ist der Psalter eine Sammlung der religiösen Gesänge Israels, die teilweise bis ins erste vorchristliche Jahrtausend zurückreichen. Auch die christliche Kirche trägt von Anfang an in ihrem Gottesdienst Psalmen vor. Nachhaltig hat der Psalter die Liturgie, die Frömmigkeit und die Lebenspraxis der mittelalterlichen Christenheit geprägt. Als wichtigstes Gebetbuch entstanden prachtvolle Codizes für hochstehende Persönlichkeiten, die auch der Repräsentation dienten, daneben einfachere Exemplare für die praktische Gebetsausführung.

Die Ausstellung zeigt solche Handschriften und Wiegendrucke aus dem Bestand der Universitätsbibliothek, die für die Ausübung der Liturgie oder das wissenschaftliche Textstudium benötigt wurden. Einige zeigen heute noch Spuren ihres intensiven Gebrauchs – und belegen damit, wie wertvoll auch sie trotz ihrer schlichteren Ausstattung für ihre Besitzer waren.

Die Ausstellung „Pracht & Andacht. Psalterien des Mittelalters“…

…ist bis 30. September 2022 in der Hofgartenbibliothek zu sehen. Geöffnet ist die Bibliothek montags von 14 bis 16 Uhr, dienstags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr. Auf Wunsch werden Führungen angeboten.

Quelle
upd
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