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Höllisch guter Disco-Abend – Karten zu gewinnen!

MuT e.V. rockt mit neuem Musical „Disco Inferno“ die Boxerhalle

Eichstätt. – „Play That Funky Music!“, wo sonst der Boxring steht. Der Eichstätter Broadway heißt Boxerhalle – jedenfalls, wenn der MuT e.V. wieder eine seiner großen Musical-Produktionen präsentiert. Die elektrisieren die Boxerhalle ebenso, wie im vergangenen Jahr ein Punkkonzert oder einst die großen Box-Bundesliga-Duelle hier. Boxerhalle passt auch irgendwie – schließlich ist es ein Kraftakt für das rund 50-köpfige ehrenamtliche Team. Aber einer, der auf Bühne statt Boxring leicht und filigran aussieht – aber auch mit dem nötigen boxerisch-vokalen „Punch” in der Stimme daherkommt. Ansonsten aber ist Beinarbeit gefragt in der Boxarena, die hier zur 70er-Jahre-Tanzfläche wird. „Disco Inferno“ heißt das Musical, das der MuT e.V. dieses Jahr spektakulär, farbenfroh und gnadenlos tanzbar inszeniert. Eine Show, die am Premierenwochenende für Begeisterungsstürme sorgte. Wer noch dabei sein will – es gibt Karten zu gewinnen (siehe Kasten).

„Disco Inferno“ in der Boxerhalle. Das neue Musical des MuT e.V. bekam am Premierenwochenende Standing Ovations. Fotos: Zengerle

Von Stephan Zengerle

Die vielleicht größte Überraschung heißt Benedikt oder besser „Ben“ oder „Benni“ Strobl, wie er in Eichstätt meist genannt wird. „Was, der kann Singen? Das wusste ich gar nicht!“ – so oder so ähnlich hat man das am Premierenwochenende immer wieder gehört. Dass Strobl tanzen kann, wusste man von seinem langjährigen Engagement als Tänzer und Trainer der Eichstätter Faschingsgarde. Aber singen und schauspielern – und das von „null auf Hauptrolle“? Da waren dann doch viele zutiefst erstaunt. „Ich war ganz schön nervös“, gesteht Strobl gegenüber Ei-live – nachdem er aber zuvor noch Standing Ovations für seine Performance als „Jack“ auf der Musical-Bühne erlebt hatte und – Spoileralarm: eine kleine „Wiederauferstehung“.

Höllisch gut singen kann „Jack“ (Foto unten) – Dank eines Paktes mit dem Teufel (Stefan Straßer).

Denn „Disco Inferno“ hat auch als Stück so einige Überraschungen und Wendungen zu bieten. Es ist so ein wenig die 70er-Jahre-Disko-Version des Faust’schen Urstoffs. Die Disco-Variante des Goethe-Klassikers entführt die Musical-Besucher ins London der 70er-Jahre – genauer gesagt: 1976. Als der Teufel ihm in persona seiner irdischen Statthalterin „Lady Marmalade“ (genial verführerisch-diabolisch gespielt und gesungen von Stephanie Graf), die gerne auch einmal eine Knarre im Strumpfband trägt, Reichtum sowie Erfolg auf der Bühne und bei den Frauen verspricht, kann Jack nicht widerstehen. Schließlich will er nichts sehnlicher, als eine große Karriere als Sänger zu starten, darf bisher aber nur den Boden der „Disco Inferno“ schrubben.

„Disko sucht den Superstar“ meets „Faust“

Die teuflisch gut singende Musikmanagerin verschafft ihm eine direkte Abkürzung bei einer Art „Disko sucht den Superstar“ – irgendwie passend: Schließlich hat Stephanie Graf im realen Leben selbst 2012 erfolgreich an der Casting-Show „Popstars“ teilgenommen und auch anschließend viel Erfahrung im Musik-Business gesammelt. Allerdings wird für Jack die Abkürzung auch recht schnell zu einer Art „Highway to Hell“. Denn auch in der Disko-Version des Faust-Stoffs muss Jack bei dieser besonderen Art des Castings per Knebelvertrag seine Seele verkaufen. Dafür wird er fortan von Lady Marmalade und ihrer ebenso Höllenfeuer-heißen Beauty-Asisstentin Nicky Diablo auf Star getrimmt (nicht nur beim Stück „Hot Stuff“ sind beide voll in ihrem Element) und darf bei Disco-Chef Duke – cool gespielt von Stefan Straßer, der gleich mehrere Rollen übernimmt – endlich auf die Bühne.

Liebe oder Karriere? Jack (Benedikt Strobl) muss sich entscheiden. Jane (Anna Stampfer) hat ihre Zweifel.
Der „Duke“ (Stefan Straßer) hat rund um die Tanzfläche alles im Griff.

Nach seinem diabolisch guten Auftritt – alles andere wäre auch Vertragsbruch von höchster, oder besser gesagt tiefster Stelle – wird Jack zu einem Gig ins berühmte „Roundhouse“ eingeladen und wandelt damit auf den Spuren von Musik-Legenden wie den Rolling Stones oder Led Zeppelin. Und tatsächlich: Die Karriere startet durch, die Goldene Schallplatte ist sicher und der neue Shootingstar darf sogar in der berühmten TV-Show „American Bandstand“ mit Moderator Dick Clark (Stefan Straßer zum Zweiten) auftreten.

Natürlich rockt er auch hier die Show, in der die Musical-Besucher in der Boxerhalle zum Studio-Publikum werden. Nicht nur hier, sondern an mehreren Stellen wird der Saal, der je Show 240 Plätze bietet, miteinbezogen und die gigantische Diskokugel über den Köpfen verwandelt den ganzen Raum in den „Ballroom“, der unter anderem im Song „Ballroom Blitz“ auch gekonnt besungen wird – und zwar von Philipp Thomas, der gemeinsam mit Stephan Straßer die Regie jenes Stückes übernommen hat, das mit all seiner Dynamik auch in drei Stunden (inklusive Pause) nicht einen Funken Langeweile aufkommen lässt.

Stattdessen ist es ein optisch-akustischer Rausch, der die Besucher mitnimmt auf die Tanzflächen jener Zeit, in denen das Disko-Sterben der letzten Jahre in weiter Ferne lag, und die Faszination jener farbenfrohen Subkultur-Parallelwelt wiederaufleben lässt. Ein Mega-Hit der Disco-Ära reiht sich in dem Jukebox-Musical aus der Feder von Justin (Jai) Sepple an den nächsten: von „Boogie Wonderland“ bis „All Out of Love“ – herrlich als Duett gesungen von Philipp Thomas und Denise Kerschenlohr als Heathcliffe und Kathy. Deren Liebe wird im Stück auf die Probe gestellt wird, weil der gekränkte Platzhirsch Heathcliffe seine Rolle als Starstimme an den aufkommenden Jack verliert und Kathy sich irgendwann lieber „Jack“ zuwendet.

„Starman“: Mit dem gleuchnamigen Song von David Bowie überzeugt Jack nicht nur die Gäste im Roundhouse, sondern auch in der Boxerhalle.

Der wiederum verliert mit wachsendem Erfolg nicht nur die Bodenhaftung, sondern setzt auch die Freundschaft mit seinem besten, etwas tollpatschigen, aber dafür großherzigen Kumpel Tom (schön wandlungsfähig gespielt von Leon Gaube) und die Liebe seiner Verlobten Jane aufs Spiel. „I Will Survive“ singt die daraufhin – stark gespielt von Anna Stampfer – den nächsten großen Klassiker, in diesem Fall von Gloria Gaynor.

Ein enttäuschtes „Ohhhhh, hört man da angesichts der amourösen Tiefschläge immer wieder aus dem Publikum. Der Funke springt auch sonst auf das bunt gemischte Publikum über, das am Premierenwochenende schon früh im Stück zu klatschen und mitswingen anfing. Auch dann, wenn gekonnt und ausgelassen getanzt wird und Tom und Maggie (Vanessa Rade) sich als kongenial-tollpatschiges Team zum Titel in der Tanz-Battle tanzen, die fest zum Disko-Repertoire jener Zeit gehörten.

Farbenfrohes Spektakel (Fotos von links): Tom (Leon Gaube) und Maggie (Vanessa Rade), Lady Marmalade (Stephanie Graf) und Nicky Diablo (Theresa Lieb), Kathy (Denise Kerschewnlohr) und Heathcliffe (Philipp Thomas).

Regelmäßig gibt es Sonderapplaus – sowohl für die akrobatischen Tanzeinlagen (gelungen choreografiert und ausgeführt von Daniela Branner und ihrem Tänzerteam um Christian Hofbauer als DJ und Showmaster „Terry“, Sebastian Kerschenlohr, Patricia Frey und Manuela Zecherle), als auch Band und Sängerinnen und Sänger. Man fragt sich stellenweise, ob all das noch Ehrenamt sein kann – etwa, wenn Benedikt Strobl den Hit „Starman“ von keinem geringeren als David Bowie mit einer Mischung aus zurückhaltendem Gefühl mit weicher Stimmfarbe und selbstbewusst-lauten Tönen zu seinem ganz eigenen macht. Auch beim Elton-John Klassiker „Sorry seems to be the Hardest Word“ oder wenn Denise Kerschenlohr bei „Street Life“ von den Crusaders zeigt, was sie kann.

Gewinne 1×2 Karten…

für die letzte Vorstellung von „Disco Inferno“ am 16. Mai in der Eichstätter Boxerhalle!

Und so geht’s: Einfach Postkarte mit dem Stichwort „Disco Inferno“ an Stephan Zengerle, Rebdorfer Str. 94a, 85072 Eichstätt oder per E-Mail an gewinnspiel@eichstaetter-journal.de schicken und an der Verlosung teilnehmen.

Achtung: bitte unbedingt Telefonnummer und E-Mail-Adresse angeben, damit wir die Gewinner informieren können. Einsendeschluss: 08. Mai. Die Gewinner werden benachrichtigt. (Der Rechtsweg ist ausgeschlossen). Viel Glück!

Im Hintergrund war das Saxophon von Andreas Kaffka nicht nur zu hören, sondern vielleicht auch einen kurzen Moment zu sehen. Vor zwei Jahren war die Band bei „Rock of Ages“ noch teils sichtbar über der Bühne platziert – diesmal ist sie als treibende Kraft und Motorraum des Stückes wie ein lauter, aber auch gefühlvoll ansteuerbarer 70er-Jahre-Achtzylinder in der zweigeteilten Bühne versenkt – und somit mittendrin statt nur dabei. Da blinkt kurz die Posaune von Thomas Herrler auf, während man Norbert Wörlein an der Trompete, Oliver Dumin an den Drums, Michael Mayer an der Gitarre und Tobias Frey am Bass nur grooven hört. Da riskiert Klaus Kopischke einen kurzen Blick – schließlich spielt er nicht nur Keyboard, sondern hat auch einmal mehr gekonnt die musikalische Leitung übernommen – diesmal gemeinsam mit Tochter Julia, die die Stücke arrangiert hat und auch den Chor leitet (Leticia Pintor Mendez, Veronika Stampfer).

Wer dann auch noch einen Blick hinter die Kulissen in den vollgepackten Technikraum riskiert, wo Ralph Wein als Leiter für Bühnenbau und Technik mit seinem Team nicht nur den Sound, sondern auch die knapp 150 Scheinwerfer und auch alles andere in aller Ruhe im Griff hat, der versteht, welch enormer Aufwand in einer solchen Produktion steckt. Da sind die unzähligen Kostüme und Accessoires, die seine Frau Sissy Wein mit viel Liebe zum Detail herausgesucht – und dabei auch den Postboten des Paketdienstes völlig verrückt gemacht hat, wie man hört. Hoffentlich hat er nicht in die Pakete reingeschaut, sonst hätte er ja vielleicht bei dem einen oder anderen Paket ein Satannisten-Nest mitten in Preith vermuten können. Jedenfalls, wenn man die Outfits bei den höllischen Auftritten zu den Liedern „Devil Gate Drive“ und „Fire“ beobachten kann, bei denen Regisseur Stefan Straßer („I am the God of Hellfire“) als der Leibhaftige in der Discoversion zu sehen ist.

Boxerhalle wird zur „Boxenhalle“

All das hat sich gelohnt. Nicht alles ist perfekt – muss es aber auch nicht. Es ist einfach nur richtig gut. Und es hat Charme. Das Musical mit Londoner Wurzeln funktioniert auch in der sonst so nüchternen Boxerhalle, die sich hier im farbenfrohen Halblicht der Disco-Nacht inklusive beleuchteten Tanzkacheln, wie es sie einst in der Eichstätter Diskothek „Malibu“ gab, in den Schauplatz einer großen Party verwandelt. Die großen Disko-Zeiten sind vorbei, aber dieser nostalgische Zeitsprung – inmitten der ebenfalls die Nostalgie der Glanzzeiten des Eichstätter Boxens verströmenden Halle – macht richtig Spaß. Die Überraschung ist gelungen. Auch an den kommenden Wochenenden heißt es wieder Licht aus, Party an!

Am Ende fragt man sich noch: Wo kommen all diese Talente her? All die Menschen, die Teil dieses ehrenamtlichen Projekts sind, das über die Jahre immer professioneller geworden ist – in diesem Jahr mit einigen neuen, Gesichtern, die das MuT-Team erneut verjüngen und bereichern. Und am Ende des Stückes spürt jeder Besucher auch buchstäblich am eigenen Leib, wie viel Aufwand hier betrieben wird: Beim abschießenden Song „Play That Funky Music“ wird die Boxerhalle mit fetten Bass-Vibes auch ein wenig zur „Boxenhalle“. Da hielt es am Premierenwochenende keinen mehr auf den Sitzen: Es gab Standing Ovations – ein Abend der guten Laune in Zeiten der gefühlten Dauerkrisen: „Celebrate good times, come on!“

Stehende Ovationen gab es am Ende nach einem kurzweiligen Party-Abend.

Bildergalerie:

 

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