Mörnsheim. – Ein tierisches Spektakel der besonderen Art ist der Altmühltaler Lammauftrieb – in diesem Jahr vielleicht ganz besonders. Nicht etwa wegen des prominenten Schirmherren – schließlich ist Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer ein absoluter Fachmann, der sich an der Spitze einer Herde durchaus wohlfühlen sollte. Auch nicht wegen des neuen Gastgebers: Nachdem der langjährige Mörnsheimer Bürgermeister Richard Mittl nicht mehr angetreten war, begrüßt in diesem Jahr sein Nachfolger Jürgen Bauernfeind die zahlreich erwarteten Gäste in den Gassen der Gailachkommune.

Aber einerseits ist es die 22. Auflage und damit sprichwörtlich eine sogenannt „Schnapszahl“, die gerne auch mit irrationalem Überschwang verbunden wird. Andererseits ist da ein weiterer – wesentlich seriöserer – Grund, noch mehr zu feiern, aber auch einmal genauer hinzusehen: 2026 ist das „Internationale Jahr der Hirtinnen und Hirten“ – und die sind mit ihrem traditionellen und aufopferungsvollen Beruf selten geworden. Umso froher ist man auch im Landkreis Eichstätt, dass es – nicht zuletzt durch die Vermarktung des „Altmühltaler Lamms“ sowie die Pflege der Kulturlandschaft an den Hängen des Altmühltals durch den heimischen Landschaftspflegeverband – eben noch Herden gibt, die dem Ruf von Schäfern wie Sascha Gäbler folgen.
Im „Hirtenjahr“ wird er symbolisch den Hirtenstab an den Minister übergeben, ehe die große Herde von Schafen, Lämmern, vor allem neu geborene Jungtiere, sowie ein großer Anteil an Ziegen über die Gailachbrücke durch das mittelalterliche Markttor am Kastenhof auf den Rathausplatz und durch die engen Gassen des Marktes auf die Sommerweide getrieben wird: den Magerrasen mit seiner artenreichen Flora und Fauna. In den Straßen und Gassen der Stadt werden wieder Tausende von Besuchern erwartet, die sich das tierische Spektakel nicht entgehen lassen wollen.
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„A scheener Schmarrn“ zum Auftakt
Los geht es bereits am Freitag, 15. Mai (19.30 Uhr; 22€, Karten gibt es bei der Mörnsheimer Gemeindeverwaltung oder an der Abendkasse), mit Musikkabarett von Sara Brandhuber und ihrem bayerischen Musikkabarett. Die Herzen der Bayern hat sie längst erobert und ihre beiden ersten Erfolgs¬pro¬gramme haben ihr nicht nur begeisterte Zuschauer, sondern auch den bayerischen Dialektpreis beschert. Höchste Zeit für neue Herausforderungen: Darum hat sie kurzerhand beschlossen, sich neben Ihrer Gitarre künftig auch ein 20 Kilo schweres E-Piano für ihre Auftritte anzuschaffen und sich zum Schleppen dafür sogar ein paar Extramuskeln antrainiert – und Klavierspielen gelernt, wie sie selbst sagt. Wie Pippi Langstrumpf hat sie immer schon gemacht, worauf sie Lust hatte. Und nicht selten kam als Reaktion: „So ein Schmarrn!“, wie sie sagt. Und weil die Zuschauer auch gerne mehr von dem „Schmarrn“ wollten, hat sie den Spieß einfach umgedreht und gleich ihr ganzes neues Programm so genannt: „A scheener Schmarrn“.
Zum Glück fliegen Brandhuber die absurden Ideen von ganz alleine zu: Ob beim Frustshoppen im Baumarkt, oder im Krisengespräch mit der Giftnotrufzentrale, weil sie sich aus Versehen im Darknet die falschen Schwammerl bestellt hat. Brandhuber beleuchtet pointiert die lustigen Abgründe und Absurditäten des Alltags. Frech, bairisch und charmant. Na wenn das kein tierisches Vergnügen am Auftaktabend für den Lammauftrieb wird.
Der eigentliche „Altmühltaler Lamm“-Auftrieb beginnt dann am Samstag, 16. Mai, um 14 Uhr mit der Begrüßung durch den Ersten Bürgermeister Jürgen Bauernfeind, ehe er gemeinsam mit Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer als Schirmherr den „Altmühltaler Lamm“-Auftrieb eröff-net. Landrat Alexander Anetsberger wird ebenso ein Grußwort sprechen wie die neue Altmühltaler Lamm-Königin Anna Wiest. Musikalisch umrahmt wird die Eröffnung und der Samstagnachmittag von der Röglinger Blaskapelle. Im Hirtenjahr wird auch der Vorsitzende des Landesverbands der Bayerischen Schafhalter sprechen.
Führung und „Friseurtermin“ für ein Lamm
Gegen 15 Uhr wird Schäfer Sascha Gäbler dann gemeinsam mit den Ehrengästen seine große Herde durch den Ort und führen, und die Besucher können anschließend weiter an den Ständen des Schäfermarktes (ab 11 Uhr geöffnet) vorbeischlendern und allerlei Produkte vom „Altmühltaler Lamm“ probieren, traditionelles Handwerk bestaunen und sich von den Vereinen und Wirten der Marktgemeinde verköstigen lassen – natürlich mit „Altmühltaler Lamm“: Neben Lammbraten, -bratwürsten und -burger gibt es auch frisch gegrillte Makrelen und andere Leckereien für jeden Geschmack.
Die Kinder können sich nicht nur über die Tiere freuen, sondern auch bei den Kinderaktionen mitmachen oder in der Ausstellung mehr über das „Altmühltaler Lamm“ und die Weidetierhaltung sowie die artenreiche Flora und Fauna an den Hängen entlang der Altmühl und Gailach erfahren. Nach dem Auftrieb gibt es ab 15.30 Uhr zudem die geführte Wanderung „Auf den Spuren von Schafen und Schäfer“ auf Trockenrasen und Wacholderheiden sowie für ein ausgewähltes Lamm einen öffentlichen „Friseurtermin“: eine Vorführung der Schafschur um 16 Uhr am Rathausplatz.
Der Sonntagmorgen beginnt um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Wallfahrts¬kirche „Maria-End“ in Altendorf und dem anschließenden kirchlichen Segen für die große Schafherde samt Schäfer auf dem Trockenrasen bei der Wallfahrtskirche. Ab 11 Uhr startet der Schäfer- und Naturwarenmarkt, ab 14 Uhr unterhält die Schernfelder Bläsergruppe „Stoizwicker“. Zeitgleich wird um 14 Uhr die Herde an Schafen, Lämmern und Ziegen erneut durch den Markt ziehen. Um 15.30 Uhr wird wieder eine geführte Wanderung angeboten und gegen 16 Uhr wie¬der eine Schafschur gezeigt. Infos und ausführliche Programm gibt es auch im Internet unter www.moernsheim.de. ej
Eine neue Regentin für Schaf und Schäfer
Eichstätt. – Anna Wiest aus Greding ist für die kommenden zwei Jahre die neue „Altmühltaler Lamm“-Königin. Die offizielle Übergabe der Krone erfolgt zwar erst beim „Altmühltaler Lamm“-Auftrieb in Mörnsheim (16. und 17. Mai 2026), doch am vergangenen Donnerstag kamen die Projektbeteiligten und die noch regierende Königin Annemarie Mack im Informationszentrum Naturpark Altmühltal in Eichstätt zusammen, um die designierte Repräsentantin vorzustellen.

Als im Januar zur Bewerbung für die neue „Altmühltaler Lamm“-Königin aufgerufen wurde, befand sich Anna Wiest über 18.000 Kilometer vom Naturpark Altmühltal entfernt: Die 23-Jährige lebte zu dieser Zeit in Neuseeland. Doch ihre Mutter las zu Hause im Beilngrieser Ortsteil Litterzhofen den entsprechenden Zeitungsartikel und leitete ihn an ihre Tochter weiter. Diese musste nicht lange überlegen, ob sie sich bewerben wollte. Denn gerade ihre Auslandserfahrungen – neben Neuseeland zählte auch Malta zu ihren Wohnorten – haben ihr gezeigt, wie einzigartig ihre Heimat ist. „Ich habe wirklich schon an vielen Orten gelebt“, betont Anna Wiest, „aber das Altmühltal ist etwas ganz Besonderes.“
Vom heimischen Stall in die weite Welt
Zudem ist sie seit ihrer Jugend eng mit den Schafen verbunden. Ihre Eltern, die früher eine Milchvieh-Landwirtschaft betrieben, halten seit rund zehn Jahren eine „Hobbyherde“ mit zwölf Mutterschafen, einem Bock und einer wechselnden Zahl von Lämmern. Die ersten Tiere übernahmen die Wiests von einem verstorbenen Schäfer und zogen sie mit der Flasche auf – eine Aufgabe, die auch Tochter Anna mit großer
Freude übernahm.
Mittlerweile ist Greding das Zuhause der künftigen Regentin, die hauptberuflich im Marketing arbeitet. „Ich freue mich auf die kommenden zwei Jahre als Königin und vor allem auf die Erfahrungen, die ich dabei sammeln kann“, betont sie. Scheu, vor großen Gruppen zu sprechen, habe sie nicht. Eine wichtige Voraussetzung für die kommende Zeit – schließlich ziehen Veranstaltungen wie der Lamm-Auftrieb in Mörnsheim oder der Lamm-Abtrieb in Böhming mehrere Tausend Besucher an.
Fokus auf die Schäferei im Naturpark Altmühltal
Einen Einblick in das, was sie während ihrer Amtszeit erwartet, gab ihr die noch amtierende „Altmühltaler Lamm“-Königin Annemarie Mack. Ob bei der „Grünen Woche“ in Berlin, beim Neujahrsempfang von Ministerpräsident Markus Söder, auf Woche“ in Berlin, beim Neujahrsempfang von Ministerpräsident Markus Söder, auf dem Weihnachtsmarkt in der französischen Küstenstadt Anglet oder vor Kindergartenkindern: Annemarie Mack vertrat das Altmühltaler Lamm mit viel Engagement und Freude. „Für mich war es sehr wichtig, das Interesse auf unsere heimische Schäferei zu lenken. Umso schöner war es, dass die Menschen auch wirklich offen dafür waren“, blickt sie zurück.
Sichtbares Zeichen ihrer zahlreichen Termine ist ihre Königinnenschärpe. Diese hat durch die vielen Pins und Abzeichen, die sie im Laufe ihrer Amtszeit gesammelt hat, deutlich an Gewicht zugenommen; kaum ein Fleckchen Stoff ist frei geblieben. Dass ausgerechnet die Lammkönigin bei der Deutschen Hopfenzupfenmeisterschaft in der Hallertau als Siegerin hervorging, darf Annemarie Mack als ganz persönlichen Erfolg verbuchen.
Engagement für den Landschaftsschutz
Für ihr Engagement bedankten sich die Projektverantwortlichen, die zur Vorstellung der neuen Königin zusammengekommen waren: Christoph Würflein, Geschäftsführer des Naturpark Altmühltal, Mörnsheims Bürgermeister Richard Mittl, Erich Neulinger, Vorsitzender des Vereins der Hüteschäfer im Naturpark Altmühltal, sowie Klaus Amann, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Kelheim. Sie waren sich
einig, dass Annemarie Mack das Altmühltaler Lamm hervorragend nach außen vertreten hat. „Sie hat nicht nur das Altmühltaler Lamm als regionales Produkt gestärkt, sondern auch seine Bedeutung für den Landschaftsschutz hervorgehoben“, so Christoph Würflein. Denn wenn die Schäfer nicht seit Jahrhunderten mit ihren Herden die artenreichen Wacholderheiden vor dem Verbuschen bewahren würden, „hätten wir draußen einfach nur noch Wald“, führte Würflein weiter aus. Gerade der Wechsel aus Wald, Wacholderheiden und Flusstälern mache jedoch den landschaftlichen – und damit auch touristischen – Reiz des Naturpark Altmühltal aus.
Schäfer Erich Neulinger ergänzte, dass das vor knapp 30 Jahren ins Leben gerufene Projekt nicht nur die Vermarktung des Lammfleisches rentabler gemacht habe, sondern der Schafhaltung auch eine stärkere Stimme in der Politik verliehen habe. Dazu passt, dass die Vereinten Nationen 2026 zum „Internationalen Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums“ ausgerufen haben, um Bauern und Hirten weltweit mehr Gehör zu verschaffen – und die neue Lammkönigin wird dazu sicher ihren Beitrag leisten. ej




